Der Tod fiel vom Himmel

Von Peter Exner

 

Sieben Kinder und ein Erwachsener

Opfer des Luftangriffs auf Freiburg am 15. April 1915


 

Das Gesuch der Familie des 9-jährigen Friedrich Lais um Unterstützung schlug das Bezirksamt Freiburg 1919 ab, „da der getötete Junge, falls er noch am Leben wäre, infolge seines jugendlichen Alters noch nicht in nennenswertem Maße zum Unterhalt der Familie beitragen könnte, eine etwaige wirtschaftliche Schädigung also erst später hervortreten würde.“
(Freiburg, 21. Juli 1919)

 

Gemeinsame Beisetzung auf dem Hauptfriedhof: Julius Albert Hessler (*8.8.1899), Friedrich Lais (*11.7.1905), Alfred Wirbser (*2.3.1909), Hans Deufel (*10.7.1905), Karl Weinmann (*8.7.1906), Fritz Trescher (11.2.1909) und Franz Josef Kiffer (*12.2.1860). Ludwig Maier (*24.8.1906) erlag am 23. April 1915 seinen Verletzungen.(Quelle: Stadtarchiv Freiburg M 7061 (Bild 1) )
Gemeinsame Beisetzung auf dem Hauptfriedhof: Julius Albert Hessler (*8.8.1899), Friedrich Lais (*11.7.1905), Alfred Wirbser (*2.3.1909), Hans Deufel (*10.7.1905), Karl Weinmann (*8.7.1906), Fritz Trescher (11.2.1909) und Franz Josef Kiffer (*12.2.1860). Ludwig Maier (*24.8.1906) erlag am 23. April 1915 seinen Verletzungen.(Quelle: Stadtarchiv Freiburg M 7061 (Bild 1) )

Eben waren die Sonntagsglocken der Herz-Jesu-Kirche im Freiburger Westen verklungen, da warf das wohl in Belfort aufgestiegene französische Flugzeug zwischen halb und dreiviertel zwölf Uhr seine todbringende Fracht über dem Stadtteil Stühlinger ab. Zwei Bomben detonierten zwischen der Haslacher Straße und der Dreisam, zwei weitere in den Wohngebieten in Bahnhofsnähe bei der Stühlinger- und Wenzingerstraße, die letzte tötete spielende Kinder auf der Treppe vor dem Haupteingang der Herz-Jesu-Kirche. Acht Tote, sieben Kinder zwischen fünf und 15 Jahren und ein 55-jähriger Pflegling aus Belfort, sowie neun schwer und sechs leicht verwundete Kinder und Erwachsene – das war die schreckliche Bilanz des Fliegerangriffs vom 15. April 1915. Etlichen Verwundeten rissen die Bomben Beine und Arme ab. Das Bezirksamt bilanzierte den Sachschaden an 25 Gebäuden auf rund 11.000 Mark und auf etwa 1.400 Mark durch ein getötetes Pferd der Löwenbrauerei Louis Sinner. Am 12. Mai 1919, als die Weimarer Nationalversammlung in der Aula der Berliner Universität zu einer Protestkundgebung gegen die Versailler Friedensbedingungen zusammentrat, bat der Vater des vier Jahre zuvor getöteten Friedrich Lais um finanzielle Beihilfe für seine bedürftige Familie. Die Behörden wiesen die Bitte zurück, da der an den Folgen einer Bauchverletzung durch Bombensplitter gestorbene Sohn damals nicht den „überwiegenden Lebensunterhalt“ der Familie bestritten habe.

 

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