Die Künstlerfamilie Kern

Altar und Kanzel in der evangelischen Kirche von Forchtenberg. Copyright: LMZ BW
Altar und Kanzel in der evangelischen Kirche von Forchtenberg. Copyright: LMZ BW
Die Forchtenberger Familie Kern darf mit Fug und Recht als eine der bedeutendsten Künstlerfamilien des 17. Jh. in Deutschland gelten. Obwohl Auftragslage und Arbeitsbedingungen in dieser vom Dreißigjährigen Krieg geprägten Zeit oftmals denkbar schlecht waren, gingen aus der etablierten Steinmetzwerkstatt Michaels II. Kern (1555–1634) so erfolgreiche Persönlichkeiten wie der Baumeister Georg Kern (1583–1639/43) und die Bildhauer Michael III. (1580–1649), Leonhard (1588–1622), Peter II. (1594–1638) und Achilles Kern (1607–1691) hervor. Den Mitgliedern der Familie Kern war es über die Jahre hinweg gelungen, sich mehr und mehr der Kontrolle durch die Zünfte zu entziehen und ein ausgeprägtes künstlerisches Selbstbewusstsein zu entwickeln, welches zum Beispiel in den Selbstbildnissen Michaels II. Kern an der Jagstbrücke in Schöntal (1609) und Michaels III. Kern an der Kanzel der Dettelbacher Wallfahrtskirche (1626) dokumentiert ist.

Georg Kern wurde 1607 von Graf Wolfgang von Hohenlohe-Weikersheim in Neuenstein als Baumeister angestellt. Er war teils als Bauleiter, teils als Architekt für die Gestaltung der hohenlohischen Schlösser Hermersberg, Pfedelbach, Öhringen, Neuenstein, Friedrichsruhe, Langenburg und Waldenburg verantwortlich. Auch die baulichen Veränderungen zahlreicher Kirchen in der Region, zum Beispiel in Neuenstein, Waldenburg, Kirchberg, Langenburg und Künzelsau, unterstanden seiner Leitung.

Während der Bildhauer Peter II. Kern in Koblenz lebte und arbeitete, kehrte Michael III. Kern nach seiner Ernennung zum Zunftmeister und Ratsbildhauer in Würzburg, 1607, in seinen Geburtsort Forchtenberg zurück, um dort eine Werkstatt zu gründen, in der später auch sein Sohn Achilles mitarbeitete. Durch seine Aufgeschlossenheit für Neues und sein Gespür für Wirkung gehörte Michael III. Kern zu den Wegbereitern des Barock in Süddeutschland. Zu seinen schönsten erhaltenen Arbeiten zählen die Kanzel im Würzburger Dom, die Kanzel und das Portal der Dettelbacher Wallfahrtskirche, die Wertheimer Bettlade, die Grabdenkmäler der Hohenloher Grafen in den Stadtkirchen von Öhringen und Langenburg sowie die Altäre der Schöntaler Klosterkirche. Michael III. und Achilles Kern machten sich zwar mit der Herstellung von Kleinplastiken auch international einen Namen, waren jedoch hauptsächlich mit der Anfertigung von Monumentalwerken für hochkarätige weltliche und kirchliche Auftraggeber im süddeutschen Raum beschäftigt.

Leonhard Kern arbeitete nach einer Italienreise zwei Jahre in der Werkstatt seines Bruders Michael III. Kern mit und ließ sich dann – nach kurzen Aufenthalten in Heidelberg und Nürnberg – 1620 in Schwäbisch Hall nieder. Ohne jemals offiziell zum Meister einer Zunft ernannt worden zu sein, gründete er dort eine eigene Werkstatt, in der neben einigen wenigen Monumentalwerken hauptsächlich Kleinplastiken produziert wurden. Auswechselbare Motive – vor allem Aktdarstellungen – aus den Bereichen biblische und mythologische Historie oder Allegorie dienten dem Bildhauer in erster Linie dazu, seine Kunstfertigkeit unter Beweis zu stellen. Solche Kabinettstückchen, wie Leonhard Kern sie in seiner Werkstatt, aber auch über Kunsthändler feilbot, trafen den Zeitgeschmack bürgerlicher Interessenten und adliger Sammler. Von den höfischen Kunst- und Wunderkammern gelangten Leonhard Kerns Kleinplastiken auf direktem Weg in fast alle großen Museen Europas.

Vera Schneider

Veröffentlicht in: Der Hohenlohekreis. Hg. v. der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Hohenlohekreis (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg). Ostfildern 2006, Bd. 1, S. 163. 
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