Rottenburg am Neckar - Altgemeinde~Teilort 

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Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1264

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Die Stadt liegt am Übergang des Neckars aus dem engen Muschelkalktal in die breite Keuperstufenrandbucht. Auf der linken Flußseite die hohenbergische Gründungsanlage als ovales Gebilde (Begrenzung Burggasse-Schütte-Karmeliterstraße-Sonnengasse) mit der sich zum Marktplatz er­weiternden Königstraße als Längsachse und rippenförmig abzweigenden Seitengas­sen. Im Südosten schloss die Stadtmauer darüber hinaus von Anfang an einen bis zum Fluss reichenden Bezirk mit regellosem Grundriss ein, vermutlich eine Vorgängersied­lung der Stadt bei der Neckarfurt (Stadtlanggasse als Achse). Im Westen wurde noch im 14. Jahrhundert die »Vorstadt« mit dem Spital bis zur Oberen Brücke (bis in das 19. Jahrhundert die einzige Neckarbrücke der Stadt) einbezogen. Dadurch etwa dreieckige ummauerte Fläche mit dem abgebrochenen Sülcher Tor (Eugen-Bolz-Platz) als Nordspitze. Auf dem höchsten Punkt des Mauerzugs im Nordwesten stand das im 19. Jahrhundert abgebrochene Schloss (jetzt dort Vollzugsanstalt). Rechts des Neckars umzog die Mauer in annä­hernd rechteckiger Form den Stadtteil Ehingen. Die Stadterweiterung vor dem 1. Weltkrieg war gering und erfolgte vornehmlich auf der Talebene im Оsten (bis zur Eberhardstraße). Zweite Neckarbrücke (Kepplerbrücke) 1928/29. Bis 1939 dort wei­tere Bautätigkeit, nun auch an der Tübinger Straße. Um 1950 Bebauung der Kessel­halde südlich der Bahnlinie und Teichlensiedlung zwischen Hechinger und Ofterdinger Straße. In den 50er Jahren neues Wohngebiet Schelmen am flachen Hang im Norden der Stadt, etwa ab 1960 auch Neubaugebiete im Nordosten zwischen Jahn- und Sülchenstraße sowie auf der Talebene im Osten. Wenig später Mietwohnhäuser auf dem Muschelkalk­rücken im Nordwesten (Burgäcker) sowie vor allem neues Wohngebiet Kreuzerfeld auf der Höhe südlich der Bahnlinie mit Hochhäusern und Schulzentrum. Ab 1970 benachbartes Baugebiet südlich des Klausenfriedhofs, ebenfalls mit Hochhäusern. Gewerbegebiet Sieben­linden mit Wohnsiedlung links des Neckars unterhalb der Stadt. 1977/78 Umgestal­tung des Eugen-Bolz-Platzes, wichtigster Straßenverkehrsknoten am Rand des Stadt­kerns.
Historische Namensformen:
  • Rotenburg
Geschichte: 1264 Rotenburg. Eine Vorgängersiedlung der Stadt lag links des Flusses bei der Neckarfurt. Dort befanden sich ein herrschaftlicher Hof und vermutlich auch eine Burg. Wohl Sitz der Edelfreien von Rotenburg des 12. Jahrhunderts, die auch die Burg Roten­burg bei Weiler (»Weilerburg«) innehatten. Um 1170 Rechtsnachfolge durch die Grafen von Hohenberg, die um 1274/80 im Anschluss an die Vorgängersiedlung die Stadt gründeten (civis 1274, nova civitas 1280). Diese entstand inmitten des Trümmerfeldes der untergegangenen Römerstadt Sumelocenna, einer der bedeutendsten römischen Sied­lungen rechts des Rheins. Zugleich erbauten die Hohenberger am höchsten Punkt der Stadt ihr Schloss als neue Residenz. Der Stadtteil Ehingen, anstelle oder in der Nähe des gleichnamigen alten Dorfes, wurde etwa gleichzeitig, die Spitalvorstadt wenig später ummauert. Das Dorf ist eine Siedlung der alemannischen Landnahmezeit und besitzt im Südwesten ein Reihengräberfeld. Ersterwähnung Mitte 12. Jahrhunderts mit den Herren von Ehingen (ausgestorben 1697). Eine abgegangene Burg wird in der Nähe der Remigius­kirche gesucht. Die neue Stadt erhielt vermutlich Tübinger Recht. Marktrecht wohl seit vorstädtischer Zeit. 1269 minister, 1300 Amman und Vogt, 1301 Amman und Rat, 1309 Schultheiß, Richter und Rat, 1296 Stadtgericht. Das Wappen zeigt den Hohenberger Schild. 1381 wurde die Grafschaft an Österreich verkauft. In der Fol­gezeit mehrfach verpfändet, 1410 bis 1454 an die schwäbischen Reichsstädte, 1451 durch Erzherzog Albrecht an die Erzherzogin Mechthild verschrieben, die 1454 bis 1482 im Schloss residierte. Dieses war später Sitz der herrschaftlichen Landvögte oder Statthalter. (1779 ging es in bürgerliche Hand über, ein Teil wurde noch im 18. Jahrhunder abgebrochen. Im 19. Jahrhundert vom Staat gekauft und als Strafanstalt eingerichtet; durch Umbauten und Brand verschwanden allmählich die letzten Reste der alten Anlage.) Seit Ende 16. Jahrhunderts war Rottenburg Direktorialstadt der schwäbisch-österreichischen Landstände. Im 18. Jahrhundert Sitz eines Oberamts, nach der württembergischen Besitzergreifung 1806 Sitz eines der 12 Kreise; 1817 bis 1938 nur noch Oberamtsstadt, seitdem Landkreis Tübingen. Von der Stadtbefestigung sind ansehnliche Reste erhalten, darunter das Kalkweiler Tor, das Kapuzinertor, der Schütteturm, der Gaisholzturm, der Pulverturm und ein Zwingerturm. Barockes Rathaus von 1735/36, Vorarlberger Baumeister. Erneuert 1965 durch P. Schmitthenner. Ehemaliger Zehntscheuer von 1645. Zahlreiche ehemalige Adelshöfe. Marktbrunnen gestiftet von Erzherzogin Mechthild, Kopie 1911 (Original in der Morizkirche). Stadtbrände 1644, 1735 (Stadtteil Rottenburg) und 1786 (Stadtteil Ehingen). Lateinschule 1301. 1649 bis 1773 bestand außerdem ein Gymnasium beziehungsweise Lyzeum der Jesuitenniederlassung. 1828 unteres Gymnasium, 1842 Realschule, 1908 Progymnasium, ausgebaut zum Gymnasium ab 1960. - Hier wurden geboren: Ottilie Wildermuth (1817 bis 1877), Schriftstellerin. Eugen Bolz (1881 bis 1945), württembergischer Staatspräsident 1928 bis 1933, Widerstandskämpfer gegen das Nationalsozialistische-Regime, als Opfer des 20. Juli 1944 hingerichtet.
Ersterwähnung als Stadt: 1274 [um 1274/80]
Wirtschaft: Handel und Gewerbe waren im Mittelalter bedeutend, seit dem 16. Jahrhundert abnehmend. Glockengießerei im 17. und 18. Jahrhundert. Bis ins 20. Jahrhundert hatte die Landwirtschaft eine starke Stellung in der Stadt. Weinbau seit um 1100. Insbesondere in der 2. Hälfte 19. Jahrhunderts umfangreicher Hopfenbau, der die Stadt zu einer neuen wirtschaftlichen Blüte führte. Neues Mühlwehr 1831/32. 1873 Ansiedlung der Maschinenfabrik Fouquet und Frauz. Durch Trockenlegung der Mühlkanäle nach 1832 verödete das Gewerbe­viertel im »Unterwässer«. Die Industrialisierung erfolgte im räumlichen Zusammen­hang mit alten Mühlen.

Name: Burgen; Schloss

Ersterwähnung: 1213
Kirchengeschichte: Das Stadtgebiet war von jeher unter den Pfarreien Sülchen und Ehingen aufgeteilt, wobei beide alte Pfarrkirchen außerhalb der Mauern lagen. Kirche und Pfarrei Sül­chen 1213, Sankt Martin 1293, seit 1513 Sankt Johannes Baptist. Vermutliche Entstehungszeit jedoch schon 6. Jahrhundert. Zum Sprengel zählte das Stadtgebiet links des Neckars außer Spitalvorstadt und Unterwässer. Patronat der Herrschaft, 1472/77 der Universität Freiburg inkorporiert, doch übte spätestens seit 1533 Österreich wieder das Patronatsrecht aus. Die Kirche wurde nach der Überlie­ferung 1118 erbaut. Umbau 1513, Erneuerung 1660. Turmobergeschoss 1885. Seit 1868 Grablege der Bischöfe. In der 2. Hälfte 15. Jahrhunderts (1486/88?) erfolgte die Übertragung der Pfarrechte bezüglich Rottenburgs auf die Kirche am Markt, den heutigen Dom Sankt Martin. Hier ist eine Kapelle 1318 erstmals erwähnt, Sankt Maria 1331, Sankt Martin nach 1436. Heutiger Bau 1. Hälfte 15. Jahrhundert (Chor 1424); Turmhelm ab 1486. Umfassende Erneuerungen 1955/56 und 1977/78 (innen), 1960 folgende (Turm) und 1973/74 (außen). Nach der Errichtung des Bistums Rottenburg 1821 wurde die Kirche mit der Inthro­nisierung des ersten Bischofs 1828 zur Domkirche erhoben. Kirche und Pfarrei Ehin­gen 1275 (Sankt Remigius 1339, heute Klausenkapelle auf dem Friedhof, um 1715 neu erbaut). Zum Sprengel gehörten das rechtsufrige Stadtgebiet sowie die Spitalvorstadt und das Unterwässer auf der linken Neckarseite. Patronat Kloster Kreuzungen (vermut­lich seit 1127), später Grafen von Hohenberg. Diese schenkten es 1339 dem von ihnen um 1330/31 gegründeten weltlichen Chorherrenstift Sankt Moriz. 1362 Inkorporation. 1364 wurden die Pfarrechte auf die Stiftskirche übertragen. 1806 Aufhebung des Stifts. Die heutige Pfarrkirche Sankt Moriz wurde im wesentlichen um 1300/25 erbaut (erster Bau 1209?, Sankt Moriz 1323). 1412/13 Verlängerung des Schiffs nach Westen; Turm bis 1433 vollendet. Ulrichskapelle mit Kapitelsaal im Obergeschoss 1492 geweiht. Umfassende Erneuerung (und Entfernung der Gewölbe des 18. Jahrhunderts) 1969/75. Bedeu­tende Wandmalereien, insbesondere am Obergaden 1. Hälfte 15. Jahrhundert. Karmeliterklo­ster nach der Überlieferung um 1276 gegründet, 1292/94 vom Bischof bestätigt. 1806 aufgehoben. Heute Priesterseminar. Annähernd quadratische Vierflügelanlage von 1736/47; Kirche 1817 völlig verändert. Kapuzinerkloster 1617 (Kloster 1622/24 er­baut) bis 1806. Gebäude im 19. Jahrhundert abgebrochen. Jesuitenkolleg (zunächst Niederlassung, 1650 Residenz) 1649 bis 1773. Heute Bischöfliches Ordinariat. Nordflügel 1657/59 als Adelshaus erbaut, Ostflügel 1663 folgende. Renovierung 1971/73. Eine »Obere Klause« (Franziskanerinnen) bei der alten Pfarrkirche Sankt Remigius ist 1357 erwähnt, 1782 aufgehoben. Wallfahrtskirche zur Schmerzhaften Muttergottes im Weggental 1682/95 erbaut. Letzte Erneuerung 1962/66. Daneben Fraterhaus von 1773, renoviert 1977, jetzt Franziskanerkloster (mit Neubau). Das Spital zum Heiligen Geist wurde spätestens 1361 gegründet. Es entwickelte sich zum größten Vermögensträger der Stadt. Gebäude von 1560/62, nach 1735 barock erneuert und verändert. Evangelische Pfarrei seit 1818, zunächst in Personalunion mit Pfarrei Remmingsheim. Eigener Pfarrverweser 1831, Pfarrer 1841. Neugotische evangelische Kirche 1855/56, erneuert 1956.
Patrozinium: Sankt Martin
Ersterwähnung: 1293

GND-ID:
  • 4050733-6
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