Sinsheim - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 0770 [770/774 (Kopialüberlieferung 12. Jahrhundert)]

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Alte Ansatzpunkte der Siedlung sind das Kloster auf dem Michaelsberg nordöstlich der Altstadt und der mittelalterliche rechteckige Stadtkern mit gitterförmigem Straßennetz auf der rechtsseitigen Elsenzaue bei der Einmündung des von Norden entwässernden Weidbaches. Mit den Bahnanlagen entstand südlich des Flusses ein Gewerbegebiet. Die Nachkriegszeit brachte beachtliche Siedlungserweiterungen durch Neubaugebiete im Süden bis zur BAB Walldorfer Kreuz-Heilbronn sowie im Norden durch eine planmäßige Überbauung der Hänge beiderseits des Weidbachs. Weitere neue Wohngebiete im Westen. Ausweitung des Gewerbegebietes im Südosten nördlich der Autobahn.
Historische Namensformen:
  • Sunnisheim 0770 [770/774 (Kopialüberlieferung 12. Jahrhundert)]
Geschichte: 770/774 (Kopialüberlieferung 12. Jahrhundert) Sunnisheim, von Personenname. Nach Zeugnis eines im Stadtgebiet (General-Sigel-Straße) aufgedeckten Reihengräberfriedhofs schon zur Merowingerzeit bestehend. Bisher unklar, ob der Name Burghälde im Westen von Sinsheim nicht nur auf eine prähistorische Ringwallanlage oder auch auf eine frühmittelalterliche Befestigung deutet. Größerer Lorscher Grundbesitz. Im Hochmittelalter wohl an Stelle des späteren Stifts der Sitz der Grafen im Kraich- und Elsenzgau aus der Familie der Zeisolf-Wolfram. Ihre Lehnsherren, die Salier, nach später Überlieferung Herzog Otto von Kärnten (1006), gründeten hier ein Kollegiatstift, das der letzte Spross des Hauses der Kraichgaugrafen, Bischof Johann von Speyer, 1092/1100 in ein Benediktinerkloster umwandelte. Zunächst wurde dieses der Siegburger Reformrichtung angeschlossen, aber auf die Dauer war der Hirsauer Einfluss stärker, nach dessen Tradition auch die freie Wahl des Vogtes geregelt wurde. Sinsheim wurde 1099 als Speyerer Bischofskloster samt Rohrbach aus dem Wormser Diözesanverband ausgegliedert und dem Speyerer Sprengel zugeschlagen. Die königlich Schirmherrschaft, wohl auf der salischen Lehnshoheit basierend und ab 1108 durch Übertragung an den Kaiser bestätigt, hat sich bald stärker als der Einfluss des Speyerer Bischofs erwiesen. Das Königtum war die treibende Kraft, die aus dem 1067 mit Marktrecht privilegierten Dorf Sinsheim allmählich eine Stadt machte. 1132 oppidum, 1192 Abtretung der Hälfte der Rechte und Einkünfte durch den Abt an Kaiser Heinrich VI. und eigentliche Privilegien, 1234 civitas. Die Stadtanlage fast rechteckig, in Ost-West-Richtung von Hauptstraße durchzogen, weiterer Zugang von Sinsheim her. Der Ostteil wohl erst das Ergebnis einer spätmittelalterlichen Erweiterung. Noch weiter im Osten äußere Vorstadt, Befestigung im 19. Jahrhundert weitgehend abgebrochen. Die Reichsstadt 1219 im Austausch für deren Braunschweiger Erbe an die Markgrafen von Baden verpfändet, bald wieder ans Reich zurückgekommen und von der Wimpfener Reichslandvogtei verwaltet. 1315 nochmals an Baden, 1329/30 an die Pfalz verpfändet, von Pfalzgraf Rudolf II. 1339 an Engelhard von Hirschhorn weiterversetzt, 1362 endgültig durch Pfalz zurückgelöst. Durch die pfälzische Landesteilung von 1410 bis 1499 zu Pfalz-Mosbach gehörend, seither kurpfälzisches Oberamt Mosbach. Die Stadt am Bauernaufstand beteiligt, unterwarf sich jedoch rasch wieder. 1674 durch die Franzosen unter Turenne erobert, am 16.6. östlich von Sinsheim die Reichsarmee unter Herzog Karl von Lothringen geschlagen. 1689 die Stadt durch die Franzosen weitgehend niedergebrannt. 1803 mit dem Oberamt Mosbach zum Fürstentum Leiningen und 1806 unter badischer Souveränität. 1813 großherzogliches Amt Sinsheim, 1840-1848 großherzogliches und standesherrliches Amt, dann Bezirksamt Sinsheim 1939 Sitz des Landkreises Sinsheim. Personen: Karl Wilhelmi, 1786-1857, geboren in Heidelberg, ab 1809 evangelischer Dekan in Sinsheim. Begründer der Prähistorie in Südwest-Deutschland. Lothar (von) Kübel, 1823-1881, Erzbistumsverweser in Freiburg. Franz Sigel, 1824-1902, General der badischen Revolution und im amerikanischen Bürgerkrieg.
Ersterwähnung als Stadt: 1234

Ersterwähnung: 1133
Kirchengeschichte: Das Kloster St. Michael, eine Benediktinerabtei mittlerer Größe mit Besitz im Herrschaftsbereich der Stifterfamilien beiderseits des Rheins, stand im 12. Jahrhundert unterhalb des königlichen Schirms unter der Vogtei der Edlen von Wiesloch, im 13. Jahrhundert ganz im Reichsschutz, ab 1330 stets unter pfälzischer Schirmherrschaft. 1496 in ein Kollegiatstift umgewandelt, erlitt es im Bauernkrieg Plünderung und Zerstörung und wurde 1565 von der Pfalz eingezogen, die Güter einer eigenen Sinsheimer Stiftsschaffnerei unterstellt. Restitutionsversuche während des 30jährigen Krieges ab 1626 hatten nur kurze Zeit Erfolg. Von der Klosteranlage erhalten blieben der äußere Bering mit hauptsächlich dem 16. und 17. Jahrhundert entstammenden Gebäuden und im Kern romanischer Torbau sowie fünf Joche des Mittelschiffs der romanischen Pfeilerbasilika und der im wesentlichen spätgotische Turm mit flachem Helm. Seit 1920 werden die Gebäude als Jugendstift genutzt. Die Sinsheimer Pfarrkirche St. Jakobus (1133 Chronik) gehörte dem Kloster. Sie machte die Wechsel der pfälzischen Reformationsgeschichte durch und wurde 1707 zwischen Reformierten und Katholiken durch eine Scheidemauer geteilt. Ein Kirchenneubau von Pigage 1782 übernahm den Westturm von 1599 und machte den katholischen Chor wie das reformierte Schiff zu barocken Sälen. Eine neue katholische Kirche wurde 1964 erstellt, Filiale der katholischen Pfarrei ist Dühren. Die alte Kirche ganz den Evangelischen überlassen. Diese haben seit dem 16. Jahrhundert zwei reformierte Pfarreien. Im 18. Jahrhundert bestand neben diesen auch noch eine lutherische Gemeinde. Ein Franziskanerkloster bestand 1716-1802 im Gebiet der 1877 errichteten Kreispflegeanstalt.
Patrozinium: St. Jakobus
Ersterwähnung: 1133
Jüdische Gemeinde: Juden werden im frühen 14. Jahrhundert mehrfach erwähnt. Im späten 17. Jahrhundert erneuerte sich die Gemeinde wieder. Die Synagoge von 1837 fiel der Zerstörung durch die Nationalsozialisten 1938 zum Opfer.

GND-ID:
  • 4055123-4
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