Der altwürttembergische Landgraben

Der altwürttembergische Landgraben bei Lauffen am Neckar. Copyright: LABW

Der altwürttembergische Landgraben bei Lauffen am Neckar. Copyright: LABW

Der altwürttembergische Landgraben entstand seit der Mitte des 15. Jahrhunderts unter den Grafen Ulrich dem Vielgeliebten und Eberhard im Bart – zunächst nur östlich, dann auch westlich des Neckars – als Landwehr gegen die aus dem Norden andrängende Kurpfalz. Vom Bräunersberg bei Beilstein verlief er vorbei an Schmidhausen, Helfenberg, Auenstein, Schozach, Lauffen und Nordheim bis auf den östlichsten Ausläufer des Heuchelbergs und sperrte so in einer Länge von insgesamt 31 Kilometern das württembergische Neckartal zwischen den Löwensteiner Bergen und dem Heuchelberg. Er bestand aus einem tiefen und breiten Graben sowie einem mit dichtem Heckenwerk bewachsenen, teilweise auch mit Palisaden bewehrten Wall. Die Ausgangs- und Endpunkte waren mit je einem Wartturm markiert; dazwischen gab es an den Durchlässen der Straßen von Ilsfeld nach Wüstenhausen, von Kalten- bzw. Neckarwestheim nach Talheim und von Nordheim nach Klingenberg je einen Landturm zur Kontrolle des Verkehrs sowie – seit dem 16. Jahrhundert – als Zollstellen; ein weiterer Zoll wurde auf der Neckarbrücke in Lauffen erhoben. Mit dem Zusammenbruch der pfälzischen Macht im Landshuter Krieg (1504) verlor der Landgraben seine strategische Bedeutung und fiel nach dem Ende des Alten Reiches vollends generationenlanger Vernachlässigung anheim. Dennoch sind bemerkenswerte Reste noch heute erhalten, namentlich die Heuchelberger Warte, der Lauffener und der Wüstenhauser Landturm sowie Grabenreste bei Nordheim, an der Straße von Lauffen nach Ilsfeld, im St. Anna-Wald bei Gagernberg und an der Straße von Schmidhausen nach Jettenbach. Der Schwäbische Albverein hat entlang der einstigen Grenzbefestigung einen Wanderweg ausgewiesen und mit Informationstafeln versehen.

Kurt Andermann

Veröffentlicht in: Der Landkreis Heilbronn. Hg. v. der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Heilbronn (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg). Ostfildern 2010, Bd. 1, S. 36.