Künzelsau - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1098

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Die Stadt liegt auf dem Schuttfächer an der Einmündung des »Künzbachs« in den Kocher, von hohen Talwänden umgeben. Neuere Ortsteile schließen an den alten Stadtkern an und steigen den gegenüberliegenden Hang unterhalb Garnberg empor. Zu den Ortserweiterungen nach dem zweiten Weltkrieg zählen unter anderem die Wohngebiete »Rösleinsberg« (ab 1948), »Garnberger Steige« (ab 1956), »Weckrain« (ab 1964) und »Buchs« (ab 1970); außerdem entstanden mehrere Gewerbegebiete, so »Kocherwiesen«, »Deubachtal«, »Bergstraße«, »Hofratsmühle« und »Zeppelinstraße«.
Historische Namensformen:
  • Cunzelshowe 1098
  • Cuonzelesowa 1149
Geschichte: 1098 (Кор. 12. Jahrhundert) Cunzelshowe, 1149 Cuonzelesowa, von Personenname. Ort der Ausbauzeit. Im 11. Jahrhundert nennen sich Edelherren nach Künzelsau, die vermutlich mit den Herren vom Stein stammverwandt waren. Die 1277—1341 nachweisbaren ritterlichen Herren von Künzelsau entstammen der zum Haller Patriziat gehörenden Familie der Sulmeister. Gleichzeitig mit ihnen traten die mit den Herren von Bartenstein und von Stetten stammverwandten Herren von Bartenau auf. Sie waren in und um Künzelsau begütert und erbauten nach 1250 die nach ihnen benannte Burg am östlichen Ortsrand von Künzelsau. Sie waren Lehensleute der Hohenlohe, die 1328 einen ersten Burgfrieden über Bartenau mit den Besitzern der Burg schlossen. Anteile an der Burg erwarb auch das Kloster Comburg als würzburgisches Lehen, seit etwa 1390 die Herren von Stetten als comburgisches Lehen, 1439 die Stadt Schwäbisch Hall. Die von Stetten verkauften ihre Rechte und Besitzungen 1482 — 1542 an Hohenlohe, Mainz und Würzburg. Daneben waren zahlreiche ritterschaftliche Familien in Künzelsau begütert, so die Bachenstein, Berlichingen, Crailsheim und Neuenstein, sowie Haller Patrizier. Die Ortsherrschaft wurde vom in seiner Zusammensetzung wechselnden Gremium der Ganerben wahrgenommen. Dazu zählten: a) 1452-1598 durch Erwerb stettenscher Anteile die Herren von Berlichingen; b) Kloster Comburg, das seine seit etwa 1090 behaupteten Rechte, mit Ausnahme des Kirchenpatronats, 1483 an Hohenlohe auf Wiederkauf abtrat. Als Comburg 1581 die Wiedereinlösung betrieb, kam es zu langwierigen gerichtlichen Auseinandersetzungen, ehe das Kloster 1662 gegen eine hohe finanzielle Entschädigung alle Ansprüche einschließlich des Patronats an Hohenlohe abtrat. 1717 kaufte Comburg die letzten dem Ritterkanton Odenwald inkorporierten Rechte der Herren von Stetten auf. c) Kurmainz war seit 1484 durch Erwerb stettenscher Anteile Ganerbe, d) Schwäbisch Hall verkaufte seine seit 1439 erworbenen Rechtstitel 1598 an Hohenlohe, e) Die Herren von Stetten entäußerten sich bis 1717 aller seit dem Mittelalter erworbenen Rechte in Künzelsau, f) die Hohenlohe besaßen seit 1328 Anteile an Bartenau, die sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit vermehrten. Seit 1678 war Künzelsau vorübergehend Residenz einzelner Grafen aus dem Haus Hohenlohe. Seit 1413 besaß Künzelsau einen Markt, wurde als Stadt ohne eigentliche Stadtrechtsverleihung erst nach der Vollendung des Stadtmauerbaus im späten 18. Jahrhundert bezeichnet. Der Ort war vor 1493 mit einem Bannzaun aus Palisaden und mit Wall und Graben umgeben, der 1676 vertieft und ausgemauert wurde. 1767/86 wurde die Stadtmauer aufgeführt. Von den drei Toren blieb nur das Morsbacher Tor erhalten. 1489 wurde nach längeren Differenzen zwischen den damaligen Ortsherren Hohenlohe, Mainz, Stetten und Schwäbisch Hall in einem in Amorbach abgeschlossenen Ganerbenvertrag Rechte und Ordnung der Gemeinde fixiert. Diesen Burgfrieden mußten Ganerben und Gemeinde seitdem beschwören. Ausführendes Organ für die auf den in unregelmäßigen Abständen einberufenen Ganerbentagen gefaßten Beschlüsse war der gemeinsame Schultheiß. Die Verwaltungen der Ganerben besaßen jeweils eigene Amtshäuser. Das Haller Amtshaus wurde beim Schloßbau 1679 abgebrochen, das Stettensche von 1680 im Jahre 1945 zerstört. Erhalten ist der Würzburger Bau von 1710 und die beiden Comburger Häuser. Die Differenzen der Ganerben verschafften den Bürgern relativ große Freiheiten, die nach der aktiven Teilnahme am Bauernkrieg vorübergehend eingeschränkt wurden. Das 1548 nach einem Stadtbrand neu errichtete Rathaus überbrückt mit seinen Fundamenten den früher die Siedlung in zwei Hälften teilenden Künsbach. An seiner Nordfront trägt es die Ganerbenwappen. Mit der Aufhebung der geistlichen Reichsstände 1803 fielen die Anteile von Comburg, Mainz und Würzburg an Hohenlohe, das damit alleiniger Ortsherr wurde. Nach dem Anfall an Württemberg 1806 zählte Künzelsau bis 1809 zum Oberamt Neuenstein, bis 1811 zum Oberamt Ingelfingen und wurde dann Sitz eines Oberamts, seit 1938 des Landkreises Künzelsau, seit 1973 des Hohenlohekreises. — Die Edelherren von Künzelsau erbauten wohl im 12. Jh. eine Burg, die nach der Erweiterung durch die Herren von Bartenau deren Namen trug. Sie wurde nach dem vollständigen Erwerb durch Hohenlohe 1679 abgebrochen und von Graf Johann Ludwig von Hohenlohe-Neuenstein im Renaissancestil wiederaufgebaut. 1871 wurde sie an den württembergischen Staat verkauft, der 1873 ein Lehrerseminar einrichtete, ab 1938 eine staatliche Aufbauschule; 1945 wurde das Schloß Sitz eines pädagogischen Instituts, seit 1951 des Aufbaugymnasiums, bis 1979 gründlich renoviert. Vier von Türmen flankierte ungleichmäßige prunklose Flügel umschließen den rechteckigen Innenhof.
Ersterwähnung als Stadt: 1767 [spätes 18. Jahrhundert]

Name: Schloss Künzelsau
Datum der Ersterwähnung: 1679

Ersterwähnung: 1090 [um 1090]
Kirchengeschichte: Schon um 1090 besaß Künzelsau eine Pfarrkirche St. Johannes der Täufer, die 1290 erneuert wurde. Das Patronat war zunächst im Besitz von Kloster Comburg, dem die Kirche 1366 inkorporiert wurde. 1483 übertrug das Kloster den Schutz der Kirche den Hohenlohe und trat ihnen 1662 schließlich das Patronat ab. Von den Herren von Stetten beanspruchte kirchliche Mitspracherechte wurden 1717 abgefunden. Die Reformation setzte sich wegen der verschiedenen Konfessionen der Ganerben erst allmählich durch. Eingeführt wurde die württembergische Kirchenordnung. Gegenreformatorische Bestrebungen unter Bischof Julius Echter von Würzburg scheiterten, führten jedoch zur Abtrennung von Nagelsberg von der Pfarrei, die außerdem Garnberg, Kocherstein, Gaisbach, Kemmeten und mehrere Weiler sowie Einzelhöfe umfaßte. Chor, Turmunterteil und der Osten des Schiffs der evangelischen Pfarrkirche stammen samt einem Tympanon aus frühgotischer Zeit. 1612/17 wurde das durch Säulen in drei Teile gegliederte Schiff nach Plänen von Georg Kern erweitert, 1621/22 der Turm erhöht, die Kanzel von Michael oder Leonhard Kern aus Forchtenberg geschaffen. Triumphkreuz und Altar von Sommer von 1704. Im Jahre 1913 wurde der Portalvorbau angefügt. — Die Friedhofskapelle wurde 1575 erbaut, 1959 renoviert. Sie enthält einen Kruzifix von H. J. Sommer. Eine dem heiligen Wolfgang geweihte Kapelle nahe des Kocher, um 1500 erbaut, wurde 1806 profaniert, 1875 abgebrochen. Die katholische Kirche St. Joseph wurde 1908/12 erbaut, die Pfarrei 1957 begründet und nach dem Bau der Pfarrkirche St. Paulus 1964/66 nach deren Patron benannt.
Patrozinium: St. Johannes der Täufer
Ersterwähnung: 1090 [um 1090]
Jüdische Gemeinde: Um 1298 fanden bei einer allgemeinen Judenverfolgung auch Juden in Künzelsau den Tod. Die von den Herren von Stetten um 1550 neu aufgenommenen Juden wurden nach 1580 von den anderen Ganerben vertrieben. Seit 1850 bildete sich eine neue jüdische Gemeinde, deren 1907 errichtete Synagoge 1938 zerstört wurde.

GND-ID:
  • 4033454-5
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