Hochstift Speyer

Ansicht der Stadt Bruchsal von Samson Schmalkalder, 1689 (GLAK Hfk Planbände 19 Nr. 4)
Ansicht der Stadt Bruchsal von Samson Schmalkalder, 1689 (Landesarchiv GLAK Hfk Planbände 19 Nr. 4).

In der fränkischen Zeit lag der Schwerpunkt der bischöflichen Grundherrschaft linksrheinisch unmittelbar bei der Bischofsstadt, an der Mittelhaardt und um den Bienwald. Nennenswerter Zuwachs erfolgte erst wieder durch die Förderung der salischen Könige für ihr Heimatbistum. Jetzt wurden auch in größerem Maße rechtsrheinische Besitzungen übertragen, u. a. die Abteien Schwarzach und Sinsheim, das Gut Rotenfels mit einem großen Ausbaubereich im Murgtal (1041), Bruchsal mit dem Lußhardtwald (1056/63), die Grafschaft Forchheim sowie Orte und Güter im Remstal (1080/86). Wirkliches Territorium entstand nur in Bruchsal und in der Lußhardt. Die Besitzungen in Schwaben gingen an die Staufer, die im Ufgau durch eine Belehnung an die Herren von Eberstein verloren. Auch die Klöster konnten nicht gehalten werden. Dagegen gelang es dem Bistum, seinen zentralen Besitz im frühen 13. Jahrhundert aus der Vogtei zu lösen. Um 1180 starb die alte Hochvogtsfamilie der Eckberte aus, und offensichtlich erlaubten die deutschen Thronwirren den staufischen Königen als ihren Nachfolgern nicht, ihre Vogtsstellung voll zur Reichslandbildung auszunutzen. So gingen dem Bistum nur Teile des linksrheinischen Besitzes verloren, während gerade am Вruhrain, dem Rand des Kraichgauer Hügellands, am Ende der Stauferzeit sich durch das Aussterben von Adelsgeschlechtern und die Schwäche des Bistums Worms günstige Gelegenheit zur Erweiterung der alten Basis von Lußhardt und Bruchsal bot. Nachdem die Befreiung der Stadt Speyer von der bischöflichen Herrschaft 1265/93 dem Territorium den eigentlichen Mittelpunkt geraubt hatte, suchten die Bischöfe, vor allem Balduin von Luxemburg als wegen der großen Verschuldung eingesetzter Hochstiftspfleger (1330-1336) und Gerhard von Ehrenberg (1336-1363), durch die Neugründung von Städten Abhilfe zu schaffen und den Ämtern ein festes Gerüst zu geben. Die Residenz wurde zunächst nach Udenheim verlegt. Bruchsal, schon seit 1200 Stadt, blieb außerhalb des Kreises der bischöflichen Amtsstädte.

Waibstadt mit Umgebung, 1727 (GLAK H Waibstadt 1)
Waibstadt mit Umgebung, 1727 (Landesarchiv GLAK H Waibstadt 1)

Die Verpfändung von Reichsgut unter Ludwig dem Bayern brachte dem Bistum die Städte Landau und Waibstadt und die Schutzherrschaft über das Kloster Оdenheim ein. Der Grundbestand des Territoriums hat sich danach kaum mehr verändert, innerhalb des Bundeslandes allein noch durch den Heimfall der Hälfte von Gernsbach nach Aussterben der Ebersteiner 1660 und den Erwerb der weiter zur Ritterschaft steuernden Herrschaft Neuhausen auf den Fildern 1769.

Die spätmittelalterliche Geschichte des Bistums war eng mit der der Pfalz verknüpft. Das Territorium war fast ganz vom pfalzgräflichen Gebiet umklammert, und die Herrscher in Heidelberg konnten praktisch über den Bischofssitz verfügen, wenn auch das Hochstift nie so ausschließlich zum pfälzischen Satelitten wurde wie sein nördlicher Nachbar Worms. Gegen die Reformationstendenzen in der Pfalz richtete sich die Vereinigung der Fürstprobstei Weißenburg mit Speyer. Von dieser Zeit etwa datierten schwere territoriale Konflikte, die erst im frühen 18. Jahrhundert gelöst werden konnten. Die Personalunion zwischen Speyer und dem Erzstift Trier sollte Rückhalt gegenüber der Pfalz bringen. Philipp Christoph von Sötern (1610-1652), der erste Bischof, der über eine solche Machtposition verfügte, versuchte zunächst über die katholische Liga, dann während des Dreißigjährigen Krieges durch Neutralität und Bündnis mit Frankreich die Unabhängigkeit zu wahren.

Rückeroberung der französisch besetzten Festung Philippsburg, 1635 (GLAK H-BS P 39)
Rückeroberung der französisch besetzten Festung Philippsburg, 1635 (Landesarchiv GLAK H-BS P 39)

Er brachte seinem Land nur schweren Schaden, nicht zuletzt durch die von ihm erbaute und nach ihm benannte Feste Philippsburg (das alte Udenheim 1615), die nach wechselvollen Kriegsschicksalen für längere Zeit französisches Einfallstor nach Süddeutschland wurde. Die Fürstbischöfe mussten seit 1652 wieder in der Reichsstadt Speyer residieren und kamen erneut mit ihr in Streit, bis 1719 Bruchsal zur Residenz und zum Sitz der Zentralbehörden ausgebaut werden konnte. Auch das französische Vordringen links des Rheines begünstigte diese Residenzverlegung, zumal alle Ämter südlich der Queich seit den Reunionen französischer Souveränität unterstanden. Der Erbauer des Bruchsaler Schlosses, der Fürstbischof und Kardinal Damian Hugo von Schönborn (1710 bis 1743), wirkte ebenso als barocker Bauherr wie als fürsorglicher Landesvater. Eine Verwaltungsreform unter dem aufgeklärten, aber streng kirchlichen Bischof August von Limburg-Styrum änderte 1772 die bisherige Ordnung im rechtsrheinischen Teil des Territoriums. Auf diesen wurde das Hochstift durch die Koalitionskriege praktisch ganz beschränkt. Der letzte Fürstbischof hob dort 1798 die Leibeigenschaft auf. Der Übergang an Baden vollzog sich nicht nur wegen dieser Anpassung recht reibungslos; einzelne Vertreter der Bruchsaler Bürokratie haben unter dem neuen Landesherrn eine bedeutende Rolle gespielt.

(Quelle: Bearbeitete Fassung aus dem Abschnitt Landesgeschichte, in: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden, hg. von der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Band I, Stuttgart, 2. Aufl. 1977)

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