Die Staufer

Der Aufstieg

Die älteste bekannte Ansicht von Göppingen, 1534/35, in der Bildmitte der Hohenstaufen (HStA N 1 Nr. 1)
Die älteste bekannte Ansicht von Göppingen, 1534/35, in der Bildmitte der Hohenstaufen (Landesarchiv BW HStAS N 1 Nr. 1)

Das Hohenstaufenhaus, seiner Abstammung nach zu den vornehmen, aber keineswegs zu den mächtigsten Familien in Schwaben gehörend, verdankt seinen Aufstieg dem Investiturstreit. 1079 machte Heinrich IV. Friedrich von Büren zum Gemahl seiner Tochter Agnes und zum schwäbischen Herzog. Über die Salier und die Kaiserin Gisela war auch die neue Familie an das alte Herzogshaus angeschlossen. Friedrich verfügte über Besitzungen im Rems- und Filstal und wohl auch über das einst salische Waiblingen. Unmittelbar nach seiner Erhebung zum Herzog schritt er zum Ausbau der Burg auf dem Hohenstaufen. In ihrem Umkreis dürften auch sein gleichnamiger Vater und Großvater beheimatet gewesen sein. Weiter zurück ist der Mannesstamm dieses bis 1079 nicht im Besitz einer Grafschaft genannten Hauses nicht zu verfolgen, wohl aber ist eine Eheverbindung mit den Bertholden in der Baar bekannt. Die Mutter Herzog Friedrichs stammte aus dem Hause Egisheim und brachte der Familie Besitzungen im unteren Elsass, hauptsächlich Schlettstadt und einen Anteil am Hagenauer Forst zu. Als Hauskloster und Grablege der Dynastie gründete Herzog Friedrich 1101 die Abtei Lorch. Während der Kämpfe des Investiturstreits reichte sein Einfluss in Schwaben gegenüber den Rheinfeldenern und Zähringern nicht über den Bereich von Remstal und Ostalb hinaus. Außerdem aber wurde er im Elsass, in den alten salischen Stammlanden am nördlichen Oberrhein, aber auch in Ostfranken tätig. Nach der Wende im Investiturstreit und der allgemeinen Anerkennung als Herzog gelang es Konrad, dem Sohn Friedrichs, das Erbe der Grafen von Comburg-Rothenburg an sich zu ziehen. 1115 übernahm Konrad die durch Heinrich V. dem Würzburger Bischof entzogene fränkische Herzogswürde. Auch als dem Bischof 1120 seine herzogliche Gerichtsgewalt wieder zurückgegeben wurde, behielt Konrad den Titel eines Herzogs von Franken, der aber langsam mit Rücksicht auf den Bischof in den Titel eines Herzogs von Rothenburg umgewandelt wurde. Friedrich II., der andere Sohn, der seinem Vater im Herzogtum Schwaben nachgefolgt war, befestigte in Kämpfen gegen die oberrheinischen Gegner Heinrichs V. die Stellung der Staufer im Elsass und in den salischen Kernlanden.

Siegel Friedrich Barbarossas († 1190) [HStA H 51 U 10]
Siegel Friedrich Barbarossas († 1190) (Landesarchiv BW HStAS H 51 U 10)

Beim Aussterben der Salier konnte sich das Stauferhaus als legitimer Erbe der Krone betrachten. Die Wahl der Fürsten fiel aber 1125 auf den Sachsenherzog Lothar von Supplinburg. Die auf diese Wahl folgenden Jahre waren erfüllt von Kämpfen König Lothars gegen die Staufer, die, keinen Unterschied zwischen salischem Hausgut und Reichsgut machend, nichts von ihrer vor allem im fränkischen Bereich aufgebauten Position räumen wollten und überdies 1127 Herzog Konrad zum Gegenkönig erhoben. Lothars stärkster Verbündeter wurde der welfische Bayernherzog Heinrich der Stolze, den der König als Schwiegersohn fest an sich band. In der Form der neubegründeten Landgrafschaften, die vom Herzog unabhängig waren, versuchte Lothar, Reichsrechte den Staufern aus der Hand zu winden und seinen Parteigängern aus dem Hochadel anzuvertrauen. Ähnlich wie im Investiturstreit spielten sich die Kämpfe hauptsächlich um Würzburg, Augsburg und Ulm, dazu auch noch Nürnberg und Speyer, ab. Auch nachdem die Staufer vom Rhein und aus Ostfranken verdrängt waren, hielten sie sich in ihren schwäbischen Stammlanden. Erst 1134 unterwarfen sich Herzog Friedrich und der Gegenkönig Konrad und konnten so die Herzogswürde und das Hausgut retten. Im Reichsgut, in Franken und am Rhein hatte sich Lothar bereits durchgesetzt. Nach seinem baldigen Tod und der überraschenden, dann doch allgemein anerkannten Königswahl Konrads 1138 rückten die Staufer wieder in die alten Positionen ein.

Der Aufbau der Staufermacht

Notiz über die Ermordung des Staufers Philipp von Schwaben durch den Wittelsbacher Pfalzgrafen Otto VIII., 1208 (HStA J 522 B VI Nr. 730)
Notiz über die Ermordung des Staufers Philipp von Schwaben durch den Wittelsbacher Pfalzgrafen Otto VIII., 1208 (Landesarchiv BW HStAS J 522 B VI Nr. 730)

Konrad III. hat gleich zu Beginn seiner Herrschaft den Kampf mit den Welfen gesucht und ihnen die Burg Weinsberg, von den Calwern an die Welfen gekommenes Heiratsgut, 1140 abgenommen. Mühsam vermittelter Friede brach 1148 während des zweiten Kreuzzugs wieder zusammen. Welf VI. kehrte vorzeitig heim und versuchte, den Aufstand gegen den König zu schüren. Der Sieg von Konrads Sohn Heinrich bei Flochberg, wohl mehr durch Glück als militärische Überlegenheit erstritten, brachte den Staufern das Übergewicht. Den Frieden vermittelte diesmal der Neffe König Konrads Herzog Friedrich III. von Schwaben, durch seine Mutter auch mit dem Welfenhaus verbunden. Er folgte 1152 im Königtum nach und sollte, von den Italienern mit dem Namen Barbarossa bedacht, zu einer der bedeutendsten Gestalten unter den deutschen Königen werden. Das Herzogtum Schwaben gab er an Friedrich IV. von Rothenburg, den letzten Sohn König Konrads. Nach dessen Tod 1167 wurde es an Barbarossas Sohn Friedrich verliehen, das Herzogtum Rothenburg erhielt dessen Bruder Konrad. Unter Barbarossa gelang ein gewaltiger Ausbau der hohenstaufischen Hausmacht. Diese setzte sich zusammen aus dem staufischen elsässisch-schwäbisch-fränkischen Hausgut sowie dem salischen Erbe am Oberrhein und im Kraichgau. Hinzu kamen 1180 die Hinterlassenschaft der Grafen von Pfullendorf im Bodenseegebiet und schließlich der gesamte in Schwaben liegende Welfenbesitz. Die Welfen hatten ihrerseits 1131 das reiche Erbe der Hauptlinie des Calwer Grafenhauses angetreten. 1167 wurde Welf VII. auf dem Italienzug von der römischen Seuche hinweggerafft. Sein Vater Welf VI. hatte nun kein großes Interesse mehr, seine reichen Besitzungen dem Neffen, Heinrich dem Löwen, zu erhalten, zumal dieser nicht einmal Anstalten machte, dem verschwenderischen und genusssüchtigen Onkel aus seinen Geldverlegenheiten zu helfen. So erhielt Barbarossa, der sich sogleich zu entsprechenden Vorschüssen verstand, die Anwartschaft auf den gesamten schwäbischen Welfenbesitz, der tatsächlich 1191 dem Stauferhaus zufiel. Nach Rückschlägen während des Thronstreits konnte Friedrich II. die staufische Hausmacht nochmals ausbauen. Der größte neue Gewinn war ein Teil des Zähringer Erbes 1218, nämlich die Reichs- und Reichskirchenlehen. So ist unter den Hohenstaufen letztmals eine herrschaftliche Zusammenfassung Südwestdeutschlands in seinen fränkischen wie in seinen alemannischen Teilen gelungen. Gleichzeitig war dieser Raum damals Aktionszentrum des deutschen Kaisertums. Aus ihrer schwäbischen und fränkischen Gefolgschaft holten sich die Könige die Heerführer und Beamten für ihre Italienpolitik wie die Gefährten für die Kreuzzüge. Das alles hatte seine Rückwirkungen auf Kultur und Sozialgefüge der staufischen Hauslande, von denen vielfache Impulse ins übrige Deutschland ausgingen.

Das Ende der Staufer

Reitersiegel Heinrichs VII. († 1242) als Herzog von Schwaben, 1220 (StAS FAS DS 39 T 1-3 U 6)
Reitersiegel Heinrichs VII. († 1242) als Herzog von Schwaben, 1220 (Landesarchiv BW StAS FAS DS 39 T 1-3 U 6).

Schon der Thronstreit von 1198 zwischen Philipp von Schwaben und dem Welfen Otto IV. brachte die erste große Erschütterung der staufischen Hausmacht. Wenn auch Schwaben und die benachbarten fränkischen Gebiete zu Philipp hielten, so musste dieser doch seine Stellung durch die Hergabe vieler Rechte sichern. Auf der Seite Ottos IV. stand in Südwestdeutschland nur der welfische Pfalzgraf, der aber bereits 1204 zur Stauferpartei übergehen musste. Erst nach Philipps Ermordung wurde Otto IV. auch in Südwestdeutschland anerkannt. Wie wenig dahinter eine tatsächliche Überzeugung stand, zeigte sich beim ersten Auftreten des jungen Friedrich II., der 1212 über Konstanz und den Oberrhein nach Deutschland kam, und dem sich hier, schon bevor die eigentliche Entscheidung durch die Schlacht von Bouvines 1214 gefallen war, der ganze einstige Bereich der staufischen Hausmacht zuwandte. Friedrich setzte 1218 seinen Sohn Heinrich (VII.) als Herzog von Schwaben und Rektor von Burgund ein, den er 1220 auch zum König wählen ließ. Für dessen Erziehung waren weniger die Reichsverweser, zunächst der Kölner Erzbischof, dann der Pfalzgraf und Bayernherzog Ludwig, als verschiedene Adelige aus der Staufergefolgschaft und aus der Reichsministerialität maßgebend. Im Ausgleich zwischen den Bestrebungen nach königlicher Hausmacht und fürstlicher Territorialmacht wurden die Privilegien für die geistlichen Fürsten von 1220 und für die weltlichen von 1231/32 erlassen. Sie erkannten wohl die inzwischen weit fortgeschrittene Entwicklung zur fürstlichen Landeshoheit an, konnten daneben doch der königlichen Reichslandpolitik immer noch Wege offenhalten. Der junge König war mit der Begünstigung der Fürsten durch den Vater nicht einverstanden und gelangte schließlich zu offener Empörung 1234. Zu ihm hielten hauptsächlich die Ministerialen, ein Teil der geistlichen Fürsten sowie einige Städte. Als der Vater ohne Heer, aber mit prächtigem Gefolge nach Deutschland kam, traten für ihn die Fürsten und ein Teil der staufischen Hausmacht ein. Die Anhänger des jungen Königs erlitten im Swiggerstal (Ermstal) eine Niederlage. Die Unterwerfung Heinrichs in Wimpfen nahm der Vater nicht an, ließ ihn absetzen und in Gefangenschaft nach Italien verbringen.


1237 ließ Friedrich II. seinen Sohn Konrad IV. zum König wählen. Er wurde hauptsächlich durch Gottfried von Hohenlohe erzogen. Seine Umgebung verstand es, den Niedergang der Staufermacht im Südwesten auch angesichts der italienischen Rückschläge, dann der neuerlichen Exkommunikation des Kaisers noch hinauszuzögern. Den Umschwung brachte erst der Abfall einiger schwäbischer Großer, darunter Graf Ulrich von Württemberg und Graf Hartmann von Grüningen, mit über 2.000 Mann während der Schlacht von Frankfurt 1246. Dort hatte Konrad IV. versucht, dem Gegenkönig Heinrich Raspe den Weg zu verlegen. Dieser verfolgte ihn nun bis nach Schwaben, scheiterte aber 1247 an der Belagerung von Ulm, auch Reutlingen konnte sich halten. Viele Kirchenfürsten traten jetzt ins antistaufische Lager über. Das Oberrheingebiet blieb der stärkste Rückhalt für Konrad, der vier Jahre nach dem Tod seines Vaters in Italien einer Krankheit erlag. Seinem Sohn Konradin wurde die Stellung als Herzog von Schwaben immerhin noch bestätigt, nachdem die Grafen von Urach und Freiburg durch die Herausgabe von Reichsstädten versöhnt waren und der Graf von Württemberg gar die Rolle eines Marschalls übernahm. Mit dem tragischen Ende von Konradins Italienzug 1268 erlosch das Stauferhaus.

(Quelle: Bearbeitete Fassung aus dem Abschnitt Landesgeschichte, in: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden, hg. von der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Band I, Stuttgart, 2. Aufl. 1977)

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