Die Bannandrohungsbulle des Papstes: Exsurge Domine (1520 )

Bannandrohungsbulle des Papstes
Bannandrohungsbulle, Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg HStAS A 124 U 5

Die als Schlüsseldokument der Reformation geltende Bannandrohungsbulle Exsurge Domine Papst Leos X., mit der er Martin Luther die Exkommunikation androhte, ist das bekannteste Exemplar einer Bannandrohungsbulle. Nur wenige solcher Bullen wurden überhaupt ausgestellt; denn es handelt sich lediglich um eine Vorstufe zur Bannbulle, mit der eine Lehre verurteilt oder eine Exkommunikation ausgesprochen wird. Die Bannandrohungsbulle für Martin Luther stellt einen wichtigen Schritt in seinem 1518 begonnenen Häresieprozess vor der römischen Kurie dar. Luther weigerte sich jedoch, in Rom zu seinen Thesen Stellung zu nehmen. 1519 wurde der Prozess unterbrochen und erst nach der Wahl Karls V. zum römisch-deutschen Kaiser am 28. Juni 1519 zu Beginn des Jahres 1520 wieder aufgenommen.

Der schließlich von einer Viererkommission – bestehend aus den Kardinälen Accolti und Cajetan, dem spanischen Augustiner Johannes und Johannes Eck – konzipierte Text der Bannandrohungsbulle wurde dem Konsistorium, also dem Papst und den Kardinälen, vorgelegt. Während wohl Accolti den Textentwurf formulierte, wählte der Ingolstädter Theologieprofessor Eck als bester Kenner der Schriften Luthers die inkriminierten Sätze aus. Er sollte sich als treibende Kraft im Prozess gegen Luther erweisen und durchsetzen, die ausgewählten Sätze pauschal als irrig zu verurteilen. In vier Sitzungen des Konsistoriums ab 21. Mai wurde der Wortlaut der Urkunde beraten, am 1. Juni 1520 wurde sie schließlich verlesen und beschlossen.

Da die Ausstattung päpstlicher Urkunden strengen äußeren Formen unterliegt, verwundert es nicht, dass sich die drei erhaltenen Exemplare der Bulle nicht nur inhaltlich, sondern auch äußerlich kaum unterscheiden. Exsurge Domine gehört zum Typus der Bullen im engeren Sinn, ist also eine feierliche, mit Blei besiegelte päpstliche Urkunde.

Mehr Informationen zur Ausstellung finden Sie hier: www.reformation-in-wuerttemberg.de