Der Stettener Altar (1488)

Stettener Altar
Stettener Altar, Quelle: Landesmuseum Württemberg

Das großartige Altarretabel stammt aus der Kirche in Stetten im Remstal, einer der zahlreichen der Stuttgarter Stiftskirche inkorporierten Pfarrkirchen. Die Kirche ist Maria und dem heiligen Veit geweiht. Der Altar, der offenbar in einer Stuttgarter Werkstatt gefertigt wurde (vgl. II.9), zeigt ein für die Blütezeit der spätgotischen Flügelretabel typisches Bildprogramm. Die Sichtbarmachung der Gottesmutter und einer Auswahl von Heiligen bei geöffneten Retabelflügeln entspricht dem verbreiteten Schema: Im Zentrum stehen Maria mit Kind sowie der zweite Hauptheilige der Stettener Kirche, der heilige Veit; flankiert werden sie vom heiligen Georg und heiligen Bartholomäus. Die gemalten Flügel zeigen je einen heiligen Bischof, nämlich Martin und Ulrich, sowie als äußerste Figuren mit Jacobus und Jodokus zwei Pilgerheilige. Den Gläubigen wurden damit neben Maria mehrere Ansprechpartner vergegenwärtigt, welchen sie sich je nach Anliegen anvertrauen konnten.

Der an den meisten Tagen des Jahres sichtbare geschlossene Zustand des Flügelaltars visualisiert mit der Verkündigung an Maria den Auftakt der Heilsgeschichte. Dieser Verweis auf die Menschwerdung Gottes bot sich als optische Umrahmung des Geschehens am Altar an, wurde doch die Inkarnation in jeder Messe mit der eucharistischen Wandlung erneuert. Auch stand die Beliebtheit der Verkündigungsszene in Zusammenhang mit der Marienfrömmigkeit: Maria war so für die Gläubigen an allen Tagen des Jahres präsent, entweder werktags als Protagonistin der gemalten Verkündigung oder aber an den Feiertagen als Schreinskulptur.

Mehr Informationen zur Ausstellung finden Sie hier: www.reformation-in-wuerttemberg.de