Israelitische Gemeinde Freiburg K.d.ö.R.

Jüdisches Leben und jüdische Kultur in die Öffentlichkeit tragen

Dem Leben zugewandt „Mein Haus soll Bethaus genannt werden für alle Völker“

Beitrag der IRG Baden

 Die neue Synagoge in Freiburg (Einweihung 1987) Nußmannstraße 14 [Quelle: IRG Baden, Foto: Roswitha Strüber]  
Die neue Synagoge in Freiburg (Einweihung 1987) Nußmannstraße 14 [Quelle: IRG Baden, Foto: Roswitha Strüber]

Die Israelitische Gemeinde Freiburg umfasst derzeit rund 600 Mitglieder, hinzu kommen etwa 200 Personen, die über ihre jüdischen Familienangehörigen den Weg in die Gemeinde finden. Die Gemeinde sieht ihre Aufgabe in der religiösen, kulturellen und sozialen Betreuung ihrer Mitglieder. G´ttesdienst und die seelsorgerische Betreuung und Begleitung der Mitglieder sind die Hauptaufgaben der Gemeinde. Das Gemeindezentrum mit Betraum und Veranstaltungssaal bietet Raum für die vielfältigen Angebote, dabei sind religiöser Unterricht und Gedenkveranstaltungen feste Bestandteile des Gemeindelebens. Kantor Moshe Hayoun gestaltet die G´ttesdienste und gibt Unterricht (Schiurim) zur Tora und zu anderen heiligen Schriften des Judentums.

Die offene Kindertagesstätte (KITA) der Israelitischen Gemeinde Freiburg, die in Kooperation mit dem Jugendhilfswerk Freiburg geschaffen wurde, bietet Platz für 30 Kinder mit dem Ziel, jüdisches Leben als Normalität zu erfahren und das Verständnis zwischen Menschen verschiedener Religionen und Herkunft zu fördern. Im Jugendzentrum „Ekew“ (Lohn) treffen sich die Kinder und Jugendlichen der Gemeinde zu sportlichen, kreativen und identitätsstiftenden Aktivitäten. Daneben haben Kurse für Erwachsene (Computerkurs, Tischtennis, Schachkurs, Gesangsunterricht, Musik- und Erzählgruppe, Gymnastik für Frauen, Tanzkurs, Deutsch- und Hebräisch-Sprachkurse) und kulturelle Veranstaltungen ihren Platz. Dank sei an dieser Stelle an die zahlreichen Ehrenamtlichen gesagt, ohne die die vielfältige Angebotspalette nicht möglich wäre.

Einheimische Bürgerinnen und Bürger sind gern gesehene Gäste bei den religiösen, sozialen und kulturellen Angeboten im Gemeindezentrum. Ein besonderes und wichtiges Anliegen ist es, jüdisches Leben und jüdische Kultur in die Öffentlichkeit der Stadt hinein zu vermitteln. Eine rege Zusammenarbeit und ein intensiver Austausch mit den entsprechenden Institutionen und Einrichtungen des öffentlichen Lebens geben hierzu die Voraussetzung. Ein offenes und lebendiges Gemeindeleben bietet seinen Mitgliedern eine gute Möglichkeit, gleichberechtigt am gesellschaftlichen Geschehen der Stadt teilzunehmen. Mit seinen spirituellen und kulturellen Impulsen wirkt das vielfältige Programmangebot der jüdischen Gemeinde (Konzerte, klassische Musik, jiddische Musik, Theateraufführungen, Lesungen,  et cetera) in die kommunale Öffentlichkeit hinein und bereichert sie um weitere Facetten.

Geschichte

Bereits im Mittelalter ist jüdisches Leben in Freiburg nachweisbar; eine Akte aus dem Jahr 1338 bestätigt, dass den jüdischen Mitbewohnern weitreichende Selbstständigkeit zugestanden wurde. Diese Autonomie endete allerdings sehr bald wieder. Am 31. Januar 1349 wurden nach einem Pogrom alle Freiburger Juden mit Ausnahme der Schwangeren verbrannt. Ab 1360 erlaubte der Stadtrat die Neuansiedlung der Juden, doch nur wenige Jahre später brach eine regelrechte Verfolgung der jüdischen Mitbewohner aus und endete mit ihrer Vertreibung aus der Stadt.

Erst unter der Regentschaft des österreichischen Kaisers Joseph II. bestand mit dem Toleranzpatent 1782 für die jüdische Minderheit wieder die Möglichkeit in Freiburg sesshaft zu werden und ihre Religion auszuüben. Im Oktober 1864 erfolgte die Neugründung und 1870 wurde der Bau der Synagoge am Werthmannplatz (heute Platz der alten Synagoge) fertiggestellt. Die Zahl der Gemeindemitglieder wuchs ständig, die Einwohnerstatistik von 1925 nennt rund 1.400 jüdische Bürgerinnen und Bürger. Mit dem Niederbrennen der Freiburger Synagoge am Werthmannplatz im November 1938 und der Vertreibung, der Deportation nach Gurs und Ermordung der jüdischen Bürgerinnen und Bürger durch die Nationalsozialisten in den Folgejahren erlosch das religiöse und kulturelle jüdische Leben in der Stadt. Von den ehemals rund 1.400 jüdischen Einwohnerinnen und Einwohnern lebten nach der nationalsozialistischen Terrorherrschaft nicht einmal mehr zehn Personen in Freiburg. Nur langsam und allmählich fanden jüdische Menschen nach Kriegsende wieder in die Stadt zurück.

Anfang 1946 weist die Statistik fünfundvierzig jüdische Einwohner aus. Sie bemühten sich darum, Fuß zu fassen und eine Neuorganisation der gemeindlichen Strukturen zu erreichen, zunächst unter dem Namen „Israelitische Landesgemeinde Südbaden“. In den nächsten zwei Jahrzehnten erstarkte die Israelitische Gemeinde Freiburg wieder und konnte im Juni 1985 den Grundstein zum Bau einer Synagoge in der Nussmannstraße durch den Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden legen. Das neue jüdische G´tteshaus mit Gemeindezentrum, das am 5. November 1987 feierlich eingeweiht werden konnte, wurde in den 90er-Jahren wichtiger Ankerpunkt und Heimat der zahlreichen jüdischen Zuwanderinnen und Zuwanderer aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion.

Heute ist die Israelitische Gemeinde Freiburg fester Bestandteil des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens der Stadt Freiburg im Breisgau und seiner Umgebung. Besonders wichtig sind der aktiven jüdischen Gemeinde die freundschaftlichen Beziehungen zu anderen Religionsgemeinschaften, zum Beispiel im intensiven Austausch mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Die Israelitische Gemeinde Freiburg versteht sich als offenes Haus für alle Interessierte, die das Judentum kennen lernen möchten und bietet Synagogenführungen an, die gerne von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden.

Zitierhinweis: Israelitische Religionsgemeinschaft Baden, Israelitische Gemeinde Freiburg K.d.ö.R., in: Jüdisches Leben im Südwesten, URL: […], Stand: 20.02.2023.

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