Landauf, LandApp - Ihre Mithilfe ist gefragt!

 Landauf, Landapp
Die Landeskunde-App Landauf, LandApp [Grafik: SPOTTERON Citizen Science]

2019 startete die Landeskunde-App von LEO-BW mit dem Ziel, das reiche Erbe an Bau-, Kultur- und Naturdenkmälern in Baden-Württemberg durch Mithilfe der Bürgerinnen und Bürger zu kartieren. Mittlerweile wurden durch die Nutzerinnen und Nutzer der App über 9.000 Fotografien und Kurzbeschreibungen bereitgestellt!

Um die App stetig zu verbessern und an die Wünsche und Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer anzupassen, möchten wir von Ihnen wissen: Was können wir verbessern? Welche zusätzlichen Funktionen würden Sie sich wünschen? Für unser nächstes Update liegt der Fokus auch auf den Kategorien, unter denen Sie Ihre Beiträge in der App posten können: Fehlt Ihnen dort eine bestimmte Kategorie, um Ihre Spots vernünftig einordnen zu können, oder haben Sie sonstige Rückmeldungen zu unserer Einteilung? Schreiben Sie Ihre Rückmeldungen an uns gerne in die Kommentare, auf Twitter oder auf Facebook oder an die E-Mail-Adresse info@leo-bw.de.

Wir freuen uns über Ihr Feedback und Ihre Anregungen!

Sie kennen die App noch nicht und wollen Ihre Entdeckungen oder Lieblingsorte mit uns teilen? Dann machen Sie mit! Alle Informationen zur kostenlosen App finden Sie hier.

Einen ersten Eindruck über die bisherigen Fotos und Kurzbeschreibungen können Sie sich hier verschaffen. Denn alle Bilder aus der App werden auch auf LEO-BW präsentiert. Die detaillierten Ortskenntnisse der Nutzerinnen und Nutzer machen die Beiträge zu einer wertvollen Ergänzung der landeskundlichen Inhalte unserer Kooperationspartner. Neben bekannten Sehenswürdigkeiten wie Burgen, Schlössern, Kirchen oder Klöstern, zeugen gerade die Aufnahmen von weniger bekannten Orten oder lokalen Besonderheiten wie Wegkreuzen, Grenzsteinen oder Wohnhäusern von der kulturellen Vielfalt Baden-Württembergs. Vor allem aber wird deutlich, dass sich überall im Ländle – auch abseits bekannter Wege – geschichtsträchtige und spannende Orte finden lassen.

Vom Lederball zum vollsynthetischen Ball

 Lederfußball samt zwei Werkzeugen [Quelle: Landesmuseum Württemberg]
Lederfußball samt zwei Werkzeugen [Quelle: Landesmuseum Württemberg]

Bis ins 20. Jahrhundert waren solche Lederbälle eine Besonderheit. Häufiger waren Bälle, die aus Stoffresten zusammengeknotet waren oder es wurde damit gespielt was sich sonst anfand: Steine, Tannenzapfen, u. ä..

Lederbälle waren teuer und glichen zudem manchmal mehr einem Ei als einem Ball. Hinzu kam, dass die von einer Lederhaut umgebenen Schweinsblasen mangels Ventils an einer Stelle zugenäht werden mussten und die Naht - gerade bei Kopfbällen - häufig zu Verletzungen führte.

Lange Zeit galt der Fußballsport in Deutschland als Modesportart des Bürgertums. Arbeiter verfügten weder über genügend Freizeit noch über finanzielle Mittel für die Ausrüstung. Erst durch die Sozialgesetzgebung der Weimarer Republik erreichte der Fußball neben anderen Sportarten auch die Arbeiterschichten und wurde damit zum Massenphänomen. Seit 1918 gewann Fussball immer mehr an Attraktivität und warb den Turnvereinen die Mitglieder ab. So drohten beispielsweise in Württemberg ab 1919 dem sozialdemokratisch ausgerichtete Arbeiterturnbund (ATB) aufgrund der zunehmenden Attraktivität des Fußballs die Mitglieder wegzulaufen. Der ATB benannte sich in Arbeiterturn- und Sportbund (ATSB) um und versuchte, über eine Ausweitung des Sportprogramms hinaus auch Fußball- und Leichtathletikbegeisterte für sich zu gewinnen. Auf diese Weise mussten sich Mitglieder nicht zwischen rivalisierenden Sportverbänden entscheiden. Hatten die württembergischen Vereine bei Kriegsausbruch ca. 15.000 Mitglieder in 200 Vereinen gezählt, erhöhte sich diese Zahl 1919 aufgrund der Ausweitung des Angebots über das Turnen hinaus auf 30.000 Mitglieder in 285 Vereinen.

Mit wachsender Beliebtheit wurden durch die Erfindung der Blase mit Ventil auch die Bälle verbessert. Ein Problem jedoch blieb: Das Leder saugte sich bei Nässe mit Wasser voll und wurde im Laufe des Spiels immer schwerer. Erst durch Imprägnierung gelang es, diesen Effekt zu mindern.

In den 1960er Jahre kamen schließlich die Bälle, die aus fünf- und sechseckigen Einzelteilen zusammengesetzt waren auf den Markt. Bei der Fußballweltmeisterschaft 1986 wurde erstmals ein Fußball eingesetzt, der vollsynthetisch war und gegen Nässe damit weitestgehend unempfindlich ist. Heute werden hochwertige Bälle nicht mehr genäht, sondern verklebt, um den Einfluss der Nässe zusätzlich zu verhindern. (JH)

Das Ende des Stuttgarter Rumpfparlaments

 Württembergisches Militär im Einsatz gegen das Rumpfparlament, 1849 [Quelle: Landesarchiv BW, HStAS J 302 Nr. 5] 
Württembergisches Militär im Einsatz gegen das Rumpfparlament, 1849 [Quelle: Landesarchiv BW, HStAS J 302 Nr. 5]

Nachdem die Macht der deutschen Fürsten infolge der Märzrevolution 1848 gestürzt wurde, sollte die Frankfurter Nationalversammlung die Gründung eines deutschen Nationalstaates mit Freiheits- und Grundrechten vorbereiten. Die sogenannte Paulskirchenverfassung sah die Einführung einer konstitutionellen Monarchie mit erblichem Kaiser an der Spitze vor. Doch König Friedrich Wilhelm IV., für den von der Mehrheit der Abgeordneten gestimmt hatten, lehnte die ihm angebotene Kaiserkrone ab. Angesichts des Wiedererstarkens der monarchisch-restaurativen Kräfte in den deutschen Einzelstaaten resignierte das Parlament und löste sich Ende Mai selbst auf. In der Paulskirche in Frankfurt verblieben im Laufe des Mai 1849 vor allem linke Abgeordnete.

Dies wiederum führte dazu, dass die Stadt Frankfurt auf preußischen Druck die Ausweisung der restlichen Abgeordneten aus der Stadt vorbereitete. Am 30. Mai beschloss die Mehrheit der Nationalversammlung daher, der Einladung des württembergischen Abgeordneten Friedrich Römer, der zugleich württembergischer Justizminister war, zu folgen und von der Paulskirche in die Hauptstadt Württembergs umzuziehen. Diese Lösung schien den Abgeordneten vorteilhaft, da Württemberg aufgrund innerer Spannungen und auf Betreiben Römers als erstes Königreich bereits am 28. April 1849 die Reichsverfassung anerkannt hatte und außerhalb des Einflussbereichs Preußens, aber nahe an den süddeutschen Hochburgen der demokratischen Bewegungen lag. So tagte das „Stuttgarter Rumpfparlament“ vom 6. bis zum 18. Juni in der württembergischen Hauptstadt und stellte im Rahmen der liberalen und nationalstaatlichen Märzrevolution von 1848/49 in den Staaten des Deutschen Bundes den letzte Versuch dar, die verbliebenen parlamentarisch-demokratischen Strukturen dieser Revolution, die im Frühsommer 1849 kurz vor ihrer endgültigen Niederschlagung stand, noch zu retten.

Die vom Rumpfparlament am 6. Juni eingesetzte Reichsregentschaft und deren revolutionäre Beschlüsse wurden vom Ministerium Römer und vom Landtag nicht anerkannt. Als Preußen Truppenhilfe gegen die aufrührerische Versammlung anbot, musste Römer rasch handeln. Da das Rumpfparlament seiner Aufforderung, Württemberg zu verlassen, nicht nachkam, ließ er es am 18. Juni kurzerhand durch württembergisches Militär sprengen. Sein entschlossenes Vorgehen beendete in Württemberg die eigentlich revolutionären Ereignisse und bewahrte es vor den tragischen Geschicken Badens; einzelne örtliche Aufstände wurden leicht unterdrückt.

In der Stuttgarter Leuschnerstraße erinnert noch heute eine Gedenktafel an das Stuttgarter Rumpfparlament. (JH)

Das Kleinwildbad bei Liebenzell

Liebenzell um 1840 auf einer Grafik von Caspar Obach, Vorlage Württembergische Landesbilbiothek Schef.qt.4592
Liebenzell um 1840 auf einer Grafik von Caspar Obach, Vorlage Württembergische Landesbilbiothek Schef.qt.4592

Vermutlich wurden die Heilquellen von Liebenzell schon im Hochmittelalter zu Badezwecken genutzt. Eine Einrichtung ist erstmals für das Jahr 1403 belegbar, als Markgraf Bernhardt I. das Untere Bad in Form eines Erblehens vergab. Heute steht hier die Paracelsus-Therme. Anfang des 15. Jh. entstand ein weiteres Oberes Bad. Auch das etwas außerhalb gelegene Kleinwildbad ist historischen Datums. Erste schriftliche Spuren finden sich in der Zeit um 1500 für ein Schweißbädlein.

Als Wildbäder wurden natürliche und somit wilde Quellen bezeichnet, die gefasst und zu Badezwecken genutzt wurden. Eine solche verlieh dem Ort Wildbad seinen Namen. Die dortige Badeanstalt Katharinenstift, die im Gegensatz zu herrschaftlichen Badeeinrichtungen aus allen Teilen der Bevölkerung Zulauf erhielt, war im 19. Jh. so überlastet, dass eine Dependance oder Verlegung nach Liebenzell in Erwägung gezogen wurde. Als in Wildbad die Entscheidung für einen Neubau fiel, eröffnete im kleinen Liebenzeller Bädlein ein privates hölzernes Badehäuschen, das seinen Wasserbedarf aus einer neu erschlossenen Quelle deckte. Nachdem der Besitzer wechselte, entstand gegen Ende des 19. Jh. das größere, bis heute erhaltene Gebäude. Aus dieser Zeit stammt auch der Name Kleines Wildbad.

Es wurde als einstockiger Fachwerkbau mit Seitenrisaliten und Satteldach auf einem steinernen Sockelgeschoss errichtet, das sich dem zur Nagold abfallenden Hang anpasst. Hier waren die Badeeinrichtungen mit einzelnen Wannen, der Quellfassung und einem großen Bassin für das Thermalwasser untergebracht. Die symmetrische Anordnung der Räume lässt auf die getrennte Versorgung der männlichen und weiblichen Gäste schließen. Im Erdgeschoss befanden sich Wirtschafts- und Sanitärräume, in den Risaliten ein Aufenthaltsraum und Stuben für die Bewirtung. Eine Loggia bot außerdem Gelegenheit zu Luftbädern, die die medizinischen Empfehlungen des 19. Jh. bei Kuraufenthalten neben Wasseranwendungen vorsahen.

Als die Quelle in der Mitte des 20. Jh. versiegte, diente das Gebäude Wohnzwecken und zeigte zunehmend Spuren der Vernachlässigung. Nach der Sanierung ab 2015, in die viel der erhaltenen Bausubstanz einbezogen werden konnte, erstrahlt das Anwesen als badhaus1897 in neuem Glanz. Schön sind die verglasten Galerien in den beiden Stockwerken, die sich auf die Gartenterrasse öffnen. Das heutige badhaus 1897 beherbergt ein Café mit Kulturwerkstatt. Der Besuch lässt sich gut mit einem Spaziergang durch die Liebenzeller Parkanlagen, einer Wanderung oder einer Kanufahrt auf der Nagold verbinden.

Weitere Infos:

Sommerdomizile: Geheimnisse des Schwetzinger Schlossgartens

 

Der Vogelbrunnen im Schwetzinger Schlossgarten nach einer Fabel von Äsop, Quelle Landesmedienzentrum BW
Der Vogelbrunnen im Schwetzinger Schlossgarten nach einer Fabel von Äsop, Quelle Landesmedienzentrum BW

Unter Kurfürst Karl Theodor (1724-1799) diente das Schwetzinger Schloss in den warmen Monaten als Residenz. Der ausgedehnte Garten mit seinen Wasserflächen, –spielen und Brunnen sorgt für Erfrischung. Pavillons, Figuren, Tempel und weitere fremdländisch inspirierte Architekturen kamen nicht nur dem Bedürfnis nach Zerstreuung oder der damaligen Exotik-Mode entgegen sondern versinnbildlichen auch ein philosophisches Programm, das sich auf die klassische Antike und, im Fall der Moschee, auf den Islam und orientalische Weisheit bezieht. Darüber hinaus birgt der Garten, seit 2007 Unesco-Welterbe, noch mehr Überraschendes. Ein besonderes Kleinod stellt der Badhaus-Komplex des Architekten Nicolas de Pigage dar, der zunächst für die Ausgestaltung der Gartenanlage verantwortlich zeichnete. Das Areal gehörte zum privaten Bereich des Kurfürsten und besteht aus einem zentralen Saal mit einer Reihe von Räumen, die das eigentliche Bad ergänzen. Besondere Akzenzte setzen der Vogelbrunnen, zwei Achathäuschen und ein Laubengang mit Perspektiv.

Die große Brunnenanlage mit rund zwanzig eisernen wasserspeien Figuren entstand nach einer Fabel von Äsop, nach der die guten Vögel über den bösen Uhu triumphieren. Das Perspektiv am Ende des Laubengangs zeigt das Ende der Welt, ein durch Licht und Tunneleffekt in Szene gesetztes Fresko mit verblüffender Tiefenwirkung.

Eine besondere Rolle bei der Gestaltung spielte das Naturalien-Kabinett des Kurfürsten, aus dem de Pigage Stücke für die Innenausstattung entnahm. So wurde der als Grotte ausgeführte Baderaum mit Quarzen, Muscheln und Amethysten versehen. Besondere Effekte erzielte er mit stilisierten Naturnachbildungen. Metallglimmer, der nur noch in Resten erhalten ist, erzeugte den Eindruck von nassem Moos. Amethyste aus dem Naturalien-Kabinett zieren auch die Grotte zum Ende der Welt sowie die beiden Achathäuschen, die trotz ihres Namens zwar nur wenige dieser Steine aufweisen, dafür mit schönen Glasornamenten verziert sind. 1778 zog die kurfürstliche Residenz von Mannheim nach München. Schloss und Garten wurden nur noch selten vom Hof aufgesucht. Trotzdem gingen die Arbeiten im Garten weiter.

Zum Weiterlesen

Die Pfalzgrafen bei Rhein auf LEO-BW

Informationen zum Schwetzinger Schloss, aktuelle Zugangsbedingungen und weitere Anekdoten auf den Seiten von Schlösser und Gärten, zum aktuellen Themenjahr Exotik s. die Veranstaltungshinweise

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