Das Peter-und-Paul-Fest in Bretten

Das Peter und Paul Fest
Horst Schlesinger: Das Peter und Paul-Fest in Bretten im Jahr 1952. [Copyright: Stadtarchiv Karlsruhe. Alle Rechte vorbehalten]

Jedes Jahr am Wochenende nach dem kirchlichen Peter-und-Paul-Tag am 29. Juni taucht die Stadt Bretten von Freitag bis Montag in ihre Geschichte ein. Das Fest in Bretten gehört zu einem der bedeutendsten süddeutschen Heimatfeste und erinnert an die erfolgreiche Abwehr der Stadtbelagerung württembergischer Truppen unter Herzog Ulrich von Württemberg im Jahr 1504. Das Leben und Treiben in der Stadt jener Zeit, ihre Verteidigung gegen die Belagerer und schließlich der erfolgreiche Ausfall der Belagerten, welcher zum Abbruch der Belagerung und einem Waffenstillstand führte, werden an den drei Festtagen in der gesamten Brettener Innenstadt in Szene gesetzt. Darüber hinaus werden während des Festes historische Traditionen wie der „Schäfersprung“ wiederbelebt. Beim „Schäfersprung“ versammeln sich die Schäfer aus dem weiten Umland zum Wettkampf und zum gemeinsamen Feiern. Die ältesten Belege dieser Tradition stammen aus dem Jahr 1634. Zu dieser Zeit kamen die Schäfer immer am 10. August, dem Tag des Laurentius, zusammen, um gemeinsam zu feiern.
2014 wurde das Peter-und-Paul–Fest von der deutschen UNESCO–Kommission in das bundesweite Verzeichnis „Immaterielles Kulturerbe“ aufgenommen. Normalerweise zeigen knapp 4.000 in historische Gewänder gekleidete Frauen, Männer und Kinder sowie Gastgruppen aus ganz Europa den bis zu 140.000 Besuchern Episoden aus der Stadtgeschichte. Dieses Jahr wurde das Fest in den virtuellen Raum verlegt. Weitere Informationen finden Sie hier. (JH)

Kirschenzeit

Pachturkunde des Klosters Allerheiligen für Franz Geiger, Bürger zu Hungerberg bei Oberkirch vom 18. Februar 1785, Quelle: Landesarchiv BW GLAK 34 Nr. 1069
Pachturkunde des Klosters Allerheiligen für Franz Geiger, Bürger zu Hungerberg bei Oberkirch vom 18. Februar 1785, Quelle: Landesarchiv BW GLAK 34 Nr. 1069

Neben Äpfeln und Zwetschgen gehören Kirschen zu den beliebtesten traditionellen Obstsorten, die im Südwesten schon längere Zeit kultiviert werden. Anbaugebiete liegen im Streuobstgürtel entlang der Schwäbischen Alb, am Bodensee und natürlich in Baden, wo die Kirsche zu einem der kulinarischen Aushängeschilder avancierte. Ihr Aroma wird im Destillat des Schwarzwälder Kirschwassers eingefangen, dieses neben Kirschen und Kirschmarmelade fester Bestandteil der gleichnamigen Kirschtorte. 1888 veröffentlichte der Dichter Heinrich Hansjakob eine Sammlung von Erzählungen unter dem Titel Wilde Kirschen mit denen er den Originalen, Menschen seiner Heimat rund um Haslach im Kinzigtal ein Denkmals setzte. Ein wenig erinnert sogar der berühmte Bollenhut an die roten und schwarzen Kirschen.

Unser Bild belegt, dass sogar der Pachtzins mit Kirschen bezahlt werden konnte: Das Koster Allerheiligen verpachtet an Franz Geiger, Bürger zu Hungerberg, Oberkircher Banns, Haus, Hof, Scheuer und Trotte, 18 Steckhaufen Reben, 3 1/4 Tauwen Matten, 3 Joch Felds und 1 Bosch, gegen einen Jahreszins von 70 Gulden und die Verpflichtung der jährlichen Lieferung von zwei starken Körben Kirschen und 2 Körben Trauben.

Die Saline Sulz am Neckar

Gradierwerke der Sulzer Saline
Gradierwerk, Zeichnung von Heinrich Schickhardt, 1595. Quelle: HStAS

Das Salzsieden hat in Baden-Württemberg eine lange Tradition. Vor allem die reichhaltigen Salzquellen der Saline Sulz wurden über Jahrhunderte hinweg genutzt. Die Stadt Sulz am Neckar führt ihren Namen sogar auf das dortige Salzvorkommen zurück (Erste Nennung 790 "Sulza", wohl salzige Stelle). Die Sulzer Salzquellen brachten den Grafen von Sulz, die 1095 erstmals urkundlich erwähnt werden, ansehnliche Einkünfte. Dennoch verloren sie ihren Besitz und konnten ihn trotz mehrfacher Versuche nicht mehr auf Dauer zurückgewinnen. Ihre Nachfolger, die Herren von Geroldseck, verarmten im 15. Jahrhundert und verkauften ihre Anteile an der Saline an Bürger, die Stadt Sulz, die Geistliche Verwaltung, sowie Auswärtige wie die Klöster Alpirsbach und Wittichen. Nachdem Sulz 1471 württembergisch geworden war, wurde die Saline landesherrliches Lehen. Die älteste, ursprünglich einzige Salzquelle befand sich auf dem Sulzer Marktplatz, wo bis 1570 auch 14 Siedehallen standen, in denen die Sole gesotten wurde. 1571 ließ man diese abbrechen und erbaute an ihrer Stelle das Rathaus. Zur selben Zeit wurde auf der Flussinsel außerhalb der Stadt am linken Neckarufer ein Siedehaus mit vier Pfannen errichtet. Der jährliche Ertrag betrug damals 6000 bis 6500 Zentner Salz. Heinrich Schickhardt beschrieb 1595 die Gradierwerke und entwickelte Konzepte für eine kostengünstigere Salzgewinnung. Er schlug vor, den Ertrag zu steigern, indem die Siedepfannen mit zwei Vorwärmpfannen ausgestattet wurden. Dadurch verringerte sich auch der Holzverbrauch. Ein weiterer Modernisierungsversuch wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts unternommen. Zwischen 1735 und 1751 wurden auf der Flußinsel vier neue „Gradierhäuser“ erstellt. Seit dieser Zeit wurde neben Salz auch die sogenannte Hallerde – ein Salz und Gips enthaltender Ton –  gewonnen und rentabel als Düngemittel für die Landwirtschaft verkauft. Bis 1803 bezog Württemberg seinen gesamten Salzbedarf von der Saline Sulz. Als jedoch die damals ergiebigeren Salzbergwerke am Kocher württembergisch wurden, verlor die Saline Sulz zunehmend an Bedeutung. Zwar konnte das ständig herrschende Brennstoffproblem der Saline seit dem Anschluss von Sulz an das Eisenbahnnetz 1867 durch Steinkohle gelöst werden, dennoch blieb Sulz nun die kleinste Saline in Württemberg. Am 1. April 1924 stellte die Saline auf Betreiben der Stadt Sulz schließlich endgültig den Betrieb ein. Mehr zur Geschichte der Sulzer Saline lesen Sie im Artikel von Corinna Schneider auf LEO BW sowie in den Informationen zum Bestand Saline Sulz, der seit 1979 im Hauptstaatsarchiv in Stuttgart bewahrt wird. (JH)

Die Schriftstellerin Lotte Paepcke

Stolpersteine am Kloster Stegen
Stolpersteine auf dem Gelände des ehemaligen Klosters Stegen erinnern an die Menschen, die zwischen 1942 und 1945 hier Zuflucht fanden

Heute vor 110 Jahren wurde Lotte Paepcke, geb. Mayer, in Freiburg im Breisgau als Tochter des jüdischen Kaufmanns Max Meyer und seiner Frau Olga geboren. Nach dem Abitur trat sie ein Rechtswissenschaftsstudium an, doch ihr Referendarexamen fiel in die Zeit der NS-Machtübernahme und somit wurde ihr die juristische Laufbahn als Jüdin verwehrt. Zudem brachte ihr die Mitgliedschaft in der „Roten Studentengruppe“ eine mehrwöchige Inhaftierung ein. Die 1934 geschlossene Ehe mit dem Philologen Dr. Ernst Paepcke schützte sie zwar zunächst vor einer Deportation, nicht aber vor den alltäglichen Gängelungen der Nationalsozialisten. Mit ihrem Mann zog Lotte Paepcke von Bielefeld über Köln nach Leipzig, wo sie zuletzt in einer Fabrik Zwangsarbeit leisten musste. 1942 kehrte sie mit ihrem Sohn aufgrund einer Erkrankung nach Freiburg zurück. Hier war sie gezwungen in unterschiedlichen Verstecken zu leben, bis sie und ihr Sohn 1944 schließlich im Stegener Ordenshaus Unterschlupf fanden. Pater Dr. Heinrich Middendorf, der von 1938 bis 1946 Rektor des Ordenshauses war, versteckte hier unter Lebensgefahr insgesamt neun Menschen.
Ihre traumatischen Erlebnisse während des Krieges verarbeitete Paepcke in autobiographisch geprägten Prosatexten – allen voran „Unter einem fremden Stern“ von 1952. In „Ein kleiner Händler, der mein Vater war“, das 1972 erstmals erschien, schilderte sie die Lebensgeschichte ihres Vaters Max Mayer, der zur Zeit der Weimarer Republik als Sozialdemokrat Mitglied des Freiburger Stadtrats war und 1938 nach einigen Monaten Gefangenschaft im Konzentrationslager Dachau in die USA emigrierte. Dass Paepcke auch eine bedeutende Lyrikerin war, zeigte die 1989 erschienene dreibändige Werkausgabe, illustriert von dem befreundeten Maler Erich Heckel. 1998, zwei Jahre vor ihrem Tod, wurde Lotte Paepcke mit dem Johann-Peter-Hebel-Preis geehrt. (JH)

Toskanische Regionen im Südwesten: Die Ortenau

Schloss Ortenberg, Grafik von 1843, Quelle Landesarchiv BW, GLAK
Schloss Ortenberg, Grafik von 1843, Quelle Landesarchiv BW, GLAK

Viele Gegenden des Südwestens erinnern an die Toskana. Eine davon ist die Ortenau, wo in der Vorbergzone des Schwarzwalds Obst und Wein angebaut wird. Seinen Namen bekam der Landstrich von der Burg Ortenberg am Ausgang des Kinzigtals, kurz vor Offenburg. Sie wurde von den Zähringern errichtet und unterstand anschließend den Staufern. Ortenberg war Sitz der königlichen Landvögte und Verwaltungszentrum der Landvogtei. Nach dem Ende der Staufer und wechselnden Herrschaften zerfiel der Machtbereich, was auch zum wirtschaftlichen Niedergang der Region beitrug, die noch im 16. Jh. den Namen Mortenau führte. Die Burg wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jh. gleich zweimal Opfer kriegerischer Auseinandersetzungen. In der Mitte des 19. Jh. erwarb die livländische Familie von Berckholtz das Areal und ließ auf den Resten von Umfassungsmauer und Bergfried das heutige Schloss erbauen. Sein Architekt, Friedrich Eisenlohr, wurde vor allem durch Bahnhofsbauten im Stil des Historismus bekannt. Die aus Riga stammende Familie von Berckholtz war 1828 wegen gesundheitlicher Probleme des Vaters nach Karlsruhe übergesiedelt. Die als Künstlerin tätige Tochter Alexandra, die ihre Ausbildung in Karlsruhe, Paris und München absolviert hatte, richtete im später so bezeichneten Malerturm des Schlosses ein Atelier ein. Die Anlage mit ihren Aufbauten und Ecktürmen umweht der Geist eines englischen Landsitzes, was die Gäste des heute als Jugendherberge genutzten Gebäudes ebenso erfreuen mag wie die großartige Aussicht. Auf dem Gelände befindet sich außerdem das von öffentlicher Hand betriebene Versuchsweingut Ortenberg.

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