Herrenberg auf der Ansicht von Andreas Kieser, 1683. Die beiden Türme der Stiftskirche mussten Mitte des 18. Jh. auf halber Höhe abgebrochen werden, stattdessen entstand die barocke Zwiebelhaube. Das Schloss wurde Anfang des 19. Jh. abgetragen. Bildquelle: Landesarchiv BW, HStAS H 107/18 Bd. 52 Bl. 17, gemeinfrei.

Herrenberg auf der Ansicht von Andreas Kieser, 1683. Die beiden Türme der Stiftskirche mussten Mitte des 18. Jh. auf halber Höhe abgebrochen werden, stattdessen entstand die barocke Zwiebelhaube. Das Schloss wurde Anfang des 19. Jh. abgetragen. Bildquelle: Landesarchiv BW, HStAS H 107/18 Bd. 52 Bl. 17, gemeinfrei

Nach den Frauen- werfen wir heute einen Blick auf die „Herrenorte“ im Südwesten. Am bekanntesten sind die Städte Herrenberg und Herrenalb. Dazu kommen jede Menge Wohnplätze, die auf örtliche Gegebenheiten hinweisen, wie Bäche und Wälder, Mühlen und Äcker, zuweilen auch eine Rodungssiedlung. Während die „Frauenorte“ meist im Zusammenhang mit Marienpatrozinien stehen, waren es mehr weltliche als geistliche Mannen, die in den Herrennamen ihre Spuren hinterlassen haben.

Die Zisterzienserniederlassung Herrenalb entstand Mitte des 12. Jh. als Stiftung des Berthold von Eberstein und seiner Gemahlin Uta, die ein Hauskloster mit Grablege einrichteten. 1289 übernahmen die Markgrafen von Baden den Schutz, 1338 die Grafen von Württemberg. In der Reformation wurde das Kloster aufgehoben. Eine um 1556 eingerichtet Schule existierte bis Ende des 16. Jh.

Herrenberg erscheint 1228 als "castrum" in einer Urkunde des Pfalzgrafen Rudolf von Tübingen. Unter der Burg entstand die Stadt. Mitte des 13. Jh. wurde Herrenberg Sitz der Pfalzgrafen von Tübingen. In der zweiten Hälfte des 14. Jh. ging die Herrschaft an Württemberg über. Das von der Obrigkeit nur noch wenig genutzte und baulich angeschlagene Burgschloss wurde durch ein Erdbeben im Jahr 1733 stark beschädigt und kurz nach der Entstehung des Königreichs Württemberg auf Abbruch verkauft. Auf der Ansicht von Andreas Kieser ist der Zustand um das Jahr 1683 wiedergegeben.

Auf herrschaftliche Burgen gehen mehrere Orte in Baden-Württemberg zurück. In Herrentierbach, einem Teilort von Blaufelden im Landkreis Schwäbisch Hall residierten die Herren von Tierbach. Vermutlich handelte es sich um hohenlohische Ministeriale, die im 12. Jh. die örtliche Turmhügelburg innehatten.

Ähnlich verhielt es sich in Herrenzimmern, auch Wippertszimmern, einem Teilort von Niederstetten im Main-Tauber-Kreis. 1355 wurde Weyprecht von Zimmern, Ministeriale des Hauses Hohenlohe, mit der Ortsburg belehnt. Von der ehemaligen Wasserburg sind noch Reste erhalten.

Die Spuren der Burg Herrenzimmern im Landkreis Rottweil führen zur Familie der Zimmern, die mit Froben Christoph von Zimmern (1519-1566) einen prominenten Vertreter hervorbrachte. Die Stammburg Herrenzimmern bildete zusammen mit einer weiteren Burg im benachbarten Seedorf den Kern der kleinen Herrschaft Vor Wald. Ein geplantes Residenzstädtchen wurde nicht verwirklicht. Mit der Eheschließung zwischen Werner von Zimmern und Anna von Rohrdorf sowie dem Mitte des 14. Jh. durch Kauf bestätigten Erwerbs von Meßkirch verlagerte sich der Schwerpunkt der Familie in den oberen Donauraum. Burg Herrenzimmern ist heute eine imposante Ruine.

Gleich viermal taucht der Name Herrenberg im Ländle auf, drei davon sind Wohnplätze. Rund 40 Wohnplätze kennt das LEO-Ortslexikon, die die Herrenorte mit landwirtschaftlichen, geografischen oder anderen Merkmalen in Verbindung bringen. Neben Herrenberg erscheinen Herrenbach, -buckel, -bühl, -graben oder -grund. Herrenacker - auch Herrenfeld, -garten, -hof, -mühle, -teich, -wald, -weg oder -wies - existieren in Singular und Plural, in regionaltypischer Verkleinerung als -häusle oder -hölzle oder auch Mehrfachzusammensetzung, so Herrenwälderberg und Herrenkohlwald. Die Schwende von Herrenschwand im Todtnauer Teilort Präg verweist auf eine Entstehung als Rodungssiedlung. Herrenstriet ist ein Wohnplatz von Pforzheim, wobei mit Striet ein Buschwald oder niedriges Gehölz gemeint ist.

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Mehr Gehalt, mehr Urlaub und mehr PS

Reiselust und Wirtschaftswunder 

Familienausflug ins Albtal 1958, im Vordergrund ein VW Käfer mit geöffneter Fronthaube. Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe, Bildarchiv Schlesiger A 5 42/6/62.

Familienausflug ins Albtal 1958, im Vordergrund ein VW Käfer mit geöffneter Fronthaube. Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe, Bildarchiv Schlesiger A 5 42/6/62.

Der wirtschaftliche Aufschwung in den 1950er Jahren veränderte das Urlaubsverhalten auch im Südwesten. Während die Älteren deutschsprachige Gegenden bevorzugten, zog es die Jüngeren in Ziele jenseits der Alpen. „Do git‘s so Verruckte, dia gond bis an’d Adria“, hieß es. Klassische Reiseländer wie Italien waren vom Südwesten aus gut zu erreichen. Busunternehmen boten Komplettpakete für Gardasee, Lago Maggiore oder gar Venedig. Andere nutzten eigene Fortbewegungsmittel und verbrachten den Urlaub preisgünstig im Zelt. Ein mehrheitlich männliches Publikum kaufte und lenkte motorisierte Vehikel wie Motorrad, Roller und zunehmend Pkws. Die Gefährte wurden schon mal umgebaut, damit Campingausrüstung, die komplette Familie oder beides befördert werden konnte. Einfallsreichtum war gefragt. Bis heute zirkulieren Geschichten, etwa um den beliebten VW Käfer und seinen begrenzten Stauraum unter der Fronthaube. Sitze wurden entfernt und durch Koffer respektive Zeltplanen ersetzt, spezielle Gepäckträger konstruiert und umgerüstet – sicher nicht TÜV-gemäß und haarsträubend nach heute geltenden Maßstäben. War alles verstaut, wartete die nächste Herausforderung: Enge Straßen, steile Anstiege und Serpentinen trafen auf die damalige Technik. Kochende Kühler und andere Pannen waren an der Tagesordnung. Es soll vorgekommen sein, dass Teilstücke von Alpenpässen im Rückwärtsgang bewältigt wurden, etwa mit dem 2CV.

Das Angebot wuchs rasant. Ab Mitte der 1950er Jahre offerierte LTU in Deutschland Charterflüge, die Anfang der 1960er Jahre als Pauschalreisen für die breite Masse erschwinglich wurden. Hier brachten sich auch die Stuttgarter Hetzel-Reisen ins Spiel, ursprünglich eine Gesellschaft für Studien- und Fernreisen per Bahn. 1963 startete die erste „Kurzflugreise“ nach Barcelona. Neue Urlaubsländer wurden erschlossen, wie bei allen Veranstaltern. Auf Spanien und Italien folgten Griechenland und in die Türkei, schließlich Ägypten. Hetzel stand für Qualität, Verlässlichkeit und nahm einen festen Platz im Reigen des erfolgreichen südwestdeutschen Mittelstands ein. 1996 ging Hetzel-Reisen in Konkurs. Umbau und teilweise Schließung des Stuttgarter Flughafens, dem Kern des Hetzel-Einzugsgebiets, hatten dem Unternehmen zugesetzt. Doch nicht nur diese Insolvenz markiert einen Bruch mit den Verhältnissen der Nachkriegsjahre. Die sprichwörtliche, jahrzehntelang ungebrochene Lust der Deutschen am Reisen wurde durch eine schwächelnde Konjunktur und deprimierende Arbeitslosenzahlen getrübt. Dazu kamen Terror in den Zielländern sowie Unglücksfälle. Gleichzeitig einsetzende Veränderungen wie Liberalisierung und Deregulierung führten zum Aufbrechen fester Strukturen, dem kleinere Unternehmen mit Stammkundschaft zum Opfer fielen. Gegen Ende des Jahrhunderts überschwemmten Last-Minute-Angebote den Markt. Das aufkommende Internet begann den Reisebüros Konkurrenz zu machen.

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Balingen in der Oberamtsbeschreibung 1880, Quelle: Landesarchiv BW

Balingen in der Oberamtsbeschreibung 1880, Quelle: Landesarchiv BW

Pfingsten 1255 ist ein wichtiges Datum der Balinger Geschichte. Der 863/64 erstmals urkundlich erwähnte Ort wurde unter dem Zollerngrafen Friedrich zur Stadt erhoben. Balingen bildete das Zentrum der zollerischen Herrschaft Schalksburg. Nach dem Tod seines einzigen Sohnes verkaufte Graf Friedrich V. von Zollern-Schalksburg die gesamte Herrschaft 1403 an Württemberg. Die Linie Zollern-Schalksburg erlosch 1408. Die württembergischen Obervögte des Amts Balingen nahmen ihren Sitz im 1372 erbauten Schloss. Im 18. und frühen 19. Jh. bildeten zu Manufakturen ausgebaute Handwerksbetriebe die wirtschaftliche Grundlage der Stadt. Der Schwerpunkt lag zunächst auf der Herstellung von Textil- und Lederprodukten. Später spielten Messerschmiede eine gößere Rolle. Die Gewerbetreibenden profitierten vom nahen Handelsweg in die Schweiz, wo sich wichtige Absatzmärkte befanden. Im Zuge der Industrialisierung entwickelte sich der metallverarbeitende bzw. mechanische Sektor, unterstützt durch die Einrichtung der Bahnlinie 1874.

Oft hatten die Einwohner Balingens mit widrigen Umständen zu kämpfen. Zu den einschneidenden Ereignissen zählen mehrere große Stadtbrände. Der erste im Jahr 1286 wurde durch eine Fehde mit den Hohenbergern ausgelöst. Weitere folgten in den Jahren 1546, 1607, 1672 und 1724. Der letzte im Jahr 1809 entstand durch Blitzschlag, wobei fast 90 Prozent der Gebäude vernichtet wurden. Aber auch das Wasser entfaltete zerstörerische Kräfte. 1895 wälzte sich eine Flutwelle durch das Eyachtal. An die 41 Todesopfer erinnern Gedenksteine in Balingen und Frommern. Im 19. Jh. setzten auch Hagel und Missernten den Menschen zu, wie der Oberamtsbeschreibung von 1880 zu entnehmen ist. Der „schöne und dabei feine Menschenschlag“ des Eyachtals, den Gustav Schwab 1823 in seiner Beschreibung der Schwäbisch Alb würdigte, gehöre der Vergangenheit an. Stattdessen hätten die Ereignisse „dem Bezirk ein poesieloses realistisches Gepräge“ gegeben. Das dennoch vorhandene „weiche und reiche Gemüthsleben“ der Einwohner bliebe durch harte Arbeit und die einfachen Verhältnisse bis hin zur Armut „nach schwäbischer Art eher verborgen“.

Das „realistische Gepräge“ der Balinger scheint sich öfter bewährt zu haben. So auch angesichts der örtlichen Quellen, mit denen ein wenig bekannter Aspekt der Geschichte verbunden ist. Die Oberamtsbeschreibung bemerkt dazu, die Wasserverhältnisse seien „nicht sehr günstig“. Damit gemeint ist unter anderem der Schwefelgehalt der damaligen Brunnen. Geschmacksneutrales Trinkwasser entnahmen die Einwohner der Steinach. Süßwasser musste von außerhalb gelegenen Quellen in die Stadt geleitet werden. Eine hochrangige Wasserversorgung entstand erst gegen Ende des 19. Jh. Gleichzeitig ließ sich das Schwefelwasser aufgrund seiner Heilwirkung nutzen. Erste Nachweise zu Schwefelquellen und einem Bad stammen aus dem 16. Jh. 1724, im Jahr des vorletzten Stadtbrands, wurde eine neue große Quelle entdeckt. Deren verschiedentlich gerühmte Qualität ließ den Badebetrieb wieder aufleben. Das erste Badehaus wurde mehrfach erneuert. Die Oberamtsbeschreibung von 1880 erwähnt eine „kleine Badanstalt“. Im neu erbauten Gasthaus Schwefelbad genossen die Gäste das erwärmte Wasser in Badekabinen. Ab 1911 gab es dort auch ein Lichtspieltheater. Letztendlich konnte Balingen nicht mit Sebastiansweiler konkurrieren, wo um 1830 ein weiteres Schwefelbad eingerichtet wurde. In Balingen erinnert heute die Anlage der Schwefelbadgärten mit der wiederentdeckten Quelle an die Vergangenheit. Der Schwefelbrunnen an der Spitalstraße, ein Laufbrunnen mit Froschskulptur und Jahreszahl 1935, wurde 2020 zum Geopoint erklärt.

Auch interessant:
Die Oberamtsbeschreibung Balingen finden Sie auf LEO-BW.
Den Übergang Balingens an Württemberg thematisiert die Sage vom Hirschgulden, hier in der Fassung nach Wilhelm Hauff als Hörstück auf YouTube.
Die Stadtgeschichte Balingens macht ein ungewöhnliches Projekt erlebbar. Statt eines konventionellen Geschichtspfads werden sieben Themenkomplexe auf einem 250 Meter langen Weg entlang der Eyach aufgefächert. Im Mittelpunkt stehen Persönlichkeiten, Fortbewegung, Bau-, Orts-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte.

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Joseph Mallord William Turner - Bodensee 1842, Aquarell, British Museum London. Quelle: Wikipedia

Joseph Mallord William Turner - Bodensee 1842, Aquarell, British Museum London. Quelle: Wikipedia

Der Maler William Turner (1775-1851) ist berühmt für seine Seestücke und Landschaften. Während die früheren Ansichten mehr gegenständlich orientiert sind, setzte er zunehmend Farben zum Ausdruck von Licht und Stimmungen ein. Turner unternahm zahlreiche Reisen auf den britischen Inseln, später auch auf dem Kontinent mit Zielen in den Niederlanden, Frankreich oder der Schweiz. Seine besondere Liebe galt der Sonne Italiens. Die Eindrücke wurden in Skizzen festgehalten, die als Vorlage für Öl- und Aquarellgemälde dienten.

Nach der Niederlage Napoleons 1815 eröffnete der Wegfall von Beschränkungen neue Möglichkeiten. 1817 führte Turners Weg an den Rhein. Seine Darstellungen trugen wesentlich zur Verbreitung der damit verbundenen Romantikströmungen bei. 1833 unternahm der Künstler eine Reise von „Heidelberg up to Salzburg“, die dem Neckar bis Esslingen folgte. Schwerpunkte seines hierzu angefertigten umfangreichen Skizzenbuchs bilden Heidelberg nebst Abstechern in die Umgebung, Stuttgart und schließlich Ulm. Daneben sind Ansichten von Lauffen, Besigheim, Bietigheim, dem Rotenberg und Esslingen enthalten. Als Ergänzung entstand elf Jahre später das Skizzenbuch der Reise „On the Neckar“, in dem Orte wie Mannheim, Eberbach, Heilbronn oder Wimpfen erscheinen. Erkennbar ist eine verstärkte Aufmerksamkeit für Burgen und Schlösser, darunter Horneck, Guttenberg oder Zwingenberg. Das „romantische Heidelberg“, dem insgesamt an die hundert Skizzen und mehrere Gemälde gewidmet sind, nimmt eine Sonderstellung ein. Weitere Motive im Südwesten fand Turner entlang der Routen in die Schweiz oder nach Italien, darunter der Bodensee und Konstanz. Ein Skizzenbuch des Jahres 1844 ist Rheinfelden gewidmet.

Die Skizzenbücher Turners stehen online bei Tate Gallery zur Verfügung, z.B.

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Chor der ehemaligen Klosterkirche in Frauental bei Creglingen, Quelle: Landesarchiv BW, StAL Glasplattensammlung des Landesdenkmalamts BW, EL 228 a III Nr 3301

Chor der ehemaligen Klosterkirche in Frauental bei Creglingen, Quelle: Landesarchiv BW, StAL Glasplattensammlung des Landesdenkmalamts BW, EL 228 a III Nr 3301

In Baden-Württemberg finden sich Ortsnamen wie Frauenberg und -tal, Frauenzimmern oder Frauenkopf. Meist sind sie religiösen Ursprungs und verweisen auf Klöster und Kapellen mit Marienpatrozinium, zuweilen auch Wallfahrten zu Ehren der Gottesmutter. Der „Marienmonat Mai“ ist eine gute Gelegenheit, um einen Blick auf die Frauenorte zu werfen.

So bestanden Niederlassungen der Zisterzienserinnen in Frauental bei Creglingen und Frauenzimmern bei Güglingen. Die Abtei Frauental wurde 1232 durch die Brüder Gottfried und Konrad von Hohenlohe gegründet und 1247 als Vallis Sanctae Mariae Virginis erwähnt. Mit der Herrschaft Hohenlohe-Bruneck kam sie 1448 an Brandenburg-Ansbach, wurde im Bauernkrieg zerstört und nach der Reformation aufgegeben. Danach nahm ein brandenburgischer Verwalter hier seinen Sitz. Seit 1989 ist auf der Nonnenempore der wiederhergestellten Kirche die Ausstellung "Vom Kloster zum Dorf: Kulturlandschaftswandel auf der Gemarkung des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters Frauental" eingerichtet. Die Abtei Frauenzimmern (Mariental) bei Güglingen stand unter dem Schutz der Herren von Magenheim. Nach deren Niedergang und unter dem wachsenden Einfluss Württembergs, das seinen Besitz ausbauen wollte, siedelte der Konvent um 1442 in den Kirchbachhof beim heutigen Sachsenheim-Ochsenbach über. Von den Klosterbauten in Frauenzimmern ist nichts erhalten.

Das Kloster Frauenalb bei Marxzell im Nordschwarzwald entstand in der Zeit um 1190, als Stiftung „cella sanctae Mariae“ aus der Hand Graf Eberhards III. von Eberstein und seiner Mutter Uta von Lauffen. Untergebracht waren Frauen aus der eigenen Familie und Angehörige von Ministerialen. Obwohl die Einrichtung als Kloster bezeichnet wurde, führten die Konventualinnen ein Leben als Stiftsdamen. Verschiedentliche Versuche, mehr Eigenständigkeit durchzusetzen, waren nicht erfolgreich. So kam es infolge eines Schutzgesuchs der Äbtissin Margarethe von Eberstein und ihres Konvents bei König Ruprecht 1403 zu einer badisch-pfälzischen Fehde und der Niederbrennung der Konventsgebäude. Ein vor dem vor dem Reichskammergericht geführter „Landeshoheitsprozess“ um den Anspruch auf Reichsunmittelbarkeit blieb bis zum Ende des Alten Reiches offen. 1796 flohen die Damen vor den Truppen der Französischen Revolution. Die Besitzungen wurden im Lauf der Jahre 1802 und 1803 von Baden übernommen. Nach mehreren Bränden stehen von den Kernbauten heute nur noch Ruinen

Frauenberg bei Bodman-Ludwigshafen war das Zentrum einer Wallfahrt, deren Blüte in das 17. und 18. Jh. fiel. Nach dem Brand der Burg Bodman 1307, bei der, so die Legende, nur der Stammhalter von Bodman gerettet wurde, kam das Gelände zur Abtei Salem. Zwei Mönche sollten für das Seelenheil der Familie beten. 1309 erfolgte die Weihe der Kapelle mit zwei Altären. Im Mittelpunkt der sich entwickelnden Wallfahrt stand das Gnadenbild „Maria Bodmanorum“ aus dem späten 15. Jh. Die Kapelle wurde nach der Säkularisation zunächst profaniert und nach der Mitte des 19. Jh. erneut geweiht. Das Gnadenbild war zwischenzeitlich einem Brand zum Opfer gefallen.

Weitere „Frauenorte“ bekamen ihre Namen von Marienkapellen. Im zu Stuttgart gehörenden Wohnplatz Frauenkopf existierte eine Hirtenkapelle „Unserer Lieben Frau“, die vermutlich nach der Reformation zerstört wurde. Ein ähnliches Schicksal hatte die gleichnamige Kapelle in Frauenzimmern bei Niedernhall, hier Gegenstand einer Wallfahrt. Ende des 15. Jh. kam der Ort zu Hohenlohe, die Wallfahrt wurde im Zuge der Reformation aufgehoben, die Kapelle profaniert. Heute sind keine Spuren mehr sichtbar. Die Stelle ist teils mit der Siedlung Waldzimmern überbaut. Frauenweiler bei Wiesloch entstand als „Nebenerwerbssiedlung“ der 1930er Jahre. Das alte Frauenweiler, benannt nach dem Liebfrauen-Patrozinium der 1414 belegten Kapelle, hatte Pfalzgraf Ludwig V. 1526 wegen verdächtigen Verhaltens der Einwohner auflösen und ihre Höfe niederbrechen lassen.

Der von Seiten der katholischen Kirche gepflegte „Marienmonat Mai“ verbindet Marienverehrung und das Aufblühen der Natur. Bereits in vorchristlicher Zeit stand die Wachstumsperiode des Frühjahrs im Zeichen kultischer Handlungen, so dem Fest der altitalienischen Göttin Maia. Ob sich der Monatsname von ihr ableitet, ist umstritten. Auch die Maifeiertage des Mittelalters sollten das Gedeihen von Natur und Feldflur würdigen und fördern. Blüte und Neuentstehung wurden mit dem Wesen und Wirken der Gottesmutter gleichgesetzt, symbolisch verkörpert in Pflanzen wie Rosen und Lilien oder dem gleichnishaften Paradiesgarten. Eine sich auf den ganzen Monat erstreckende Marienverehrung kam in der Barockzeit auf. Ihren Höhepunkt hatte sie im „Marianischen Jahrhundert“ von 1850 bis 1950. Als Ausdruck dessen entstanden Marienlieder und -gebete. In katholischen Gegenden haben sich Formen der Marienandacht erhalten. In Kirchen werden besondere Mai- bzw. Marienaltäre hergerichtet und auch im heimischen Umfeld aufgestellt.

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