Trajektverkehr am Bodensee

Trajektverkehr am Bodensee
Trajektverkehr am Bodensee mit der MF Schussen [Quelle: Staatsarchiv Ludwigsburg]

Sogenannte Bodensee-Trajekte waren Eisenbahnfähren, die von den Bahngesellschaften zum Transport von Eisenbahn-Güterwagen über den Bodensee eingerichtet wurden. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts begann man in vielen größeren Häfen Trajektanstalten einzurichten, um den zeitraubenden Güterumschlag vom Schiff auf die Schienen und umgekehrt abzuschaffen. Zunächst kamen für den aufkommenden Trajektverkehr sogenannte Trajektkähne zum Einsatz, die von Dampfern geschleppt wurden. Auf den Decks dieser Schleppkähne lagen meist zwei Gleise parallel, die jeweils bis zu acht Waggons aufnehmen konnten. Da die Waggons einzeln festgezurrt werden mussten, nahm das Be- und Entladen nach wie vor viel Zeit in Anspruch. Aufgrund des steigenden Bedarfs wurde im Jahr 1929 eine Motorfähre für den kombinierten Eisenbahntrajekt-, Automobil- und Personenverkehr in Dienst genommen. Seitdem verkehrte die „MF Schussen“, die von zwei Dieselmotoren angetrieben wurde und bis zu zehn Güterwagen auf zwei parallelen Gleisen über den See bringen konnte, auf der Fährlinie zwischen Friedrichshafen und dem schweizerischen Romanshorn. Namensgeber war die nahe bei Friedrichshafen in den Bodensee mündende Schussen. In den Anfangsjahren wurden deutlich mehr Güterwaggons als Automobile befördert, trotzdem waren die Bodenseeüberfahrten der Schussen auch bei Reisenden sehr beliebt.
Mit Kriegsausbruch wurden auf dem Bodensee sämtliche Schiffsverbindungen zwischen Deutschland und der Schweiz eingestellt; erst am 15. Mai 1949 fuhr die „Schussen“ wieder ihren ersten Nachkriegseinsatz. Zwischen 1951 und 1972 transportierte sie über 125. 000 Güterwagen quer über den Bodensee, bis der Trajektverkehr schließlich eingestellt wurde. Weitere historische Aufnahmen der "MF Schussen" finden Sie im Staatsarchiv Ludwigsburg unter dem Bestand zur „Reichs-/Bundesbahndirektion Stuttgart“. (JH)

Auf den Spuren der Kelten in Baden-Württemberg

Maskenfibel von der Heuneburg
Keltische Maskenfibel, Fundort: Heuneburg [Quelle: Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart]. Hier geht es zum 3D-Modell der Maskenfibel.

Sogenannte Fibeln wurden genutzt, um Kleider, Umhänge und Mäntel zusammenzuhalten. Gegen Ende des 7. Jahrhunderts v. Chr. lösten sie die bronzenen Gewandnadeln als Gewandschließen ab. Seit etwa 600 v. Chr. wurden Fibeln dann ein gängiger Bestandteil der frühkeltischen Tracht und es entwickelte sich eine große Formenvielfalt. Vor allem der Bügel wurde regional und zeitlich sehr unterschiedlich ausgestaltet. Reich verziert dienten Fibeln nun auch als Schmuck oder Talisman, der durch besondere Ornamentik Unheil abwehren sollte. Dadurch sind viele Fibelformen für Archäologinnen und Archäologen ein wichtiger Anhaltspunkt bei der Datierung von Funden. Denn die große Menge von Fundstücken mit zeitlich und regional typischen Dekorationselementen ermöglicht die Aufstellung einer kompletten Typologie zeitlich aufeinander folgender Fibelformen. Je nach ihrer Form spricht man von Bogen-, Kahn-, Pauken-, Vogelkopf-, Zwiebelkopf-, Armbrust-, Masken-, Fußzier-, Scheiben- oder auch  Schlangenfibeln. Das abgebildete Exemplar gehört zu den Maskenfibeln und wurde nahe des frühkeltischen Fürstensitzes Heuneburg gefunden, eine der wichtigsten Keltenfundstätten in ganz Europa.  Die weitläufige Anlage zwischen Binzwangen und Hundersingen weist verschiedene Siedlungs- und Ausbauphasen seit der Mittelbronzezeit vom 15. bis 13. Jahrhundert vor Christus auf. Ihre größte Ausdehnung und Blüte erlebte die Anlage als keltischer Herrschaftssitz und Handelszentrum der Hallstattkultur im 6. und 5. Jahrhundert vor Christus. Im Zentrum liegt der Burgberg mit Herrenhaus und metallurgischen Handwerksbetrieben, Wohn- und Speichergebäuden, umgeben von einer Wehrmauer. Eine zunächst locker bebaute Vorburg lag auf einer etwas niedrigeren Terrasse, vom Burgberg und dem Umland mit einer Wall- und Grabenanlage abgegrenzt. Bis zum 5. Jahrhundert vor Christus verdichtete sich die Struktur der Vorburg mit Handwerksbetrieben und Wohnhäusern. Im Nordwesten schloss sich die Außensiedlung an, ein weitläufiges Areal von mehreren Quadratkilometern Größe, mit weiteren Wohnhäusern und landwirtschaftlicher Nutzung. Die Außensiedlung war vermutlich ebenfalls befestigt, eventuell mit Holzpalisaden, und in verschiedene Kammern gegliedert. Den äußersten Ring bildeten die Begräbnisstätten, die noch heute in Form mehrerer Grabhügelgruppen erkennbar sind. Zur Blütezeit der Heuneburg lebten dort schätzungsweise bis zu 10.000 Menschen. Zum 3D-Modell der Heuneburg geht es hier. In den nächsten Jahren soll die Heuneburg im Rahmen der Kampagne "Keltenland Baden-Württemberg" zu einer Erlebniswelt umgebaut werden. Erste Eindrücke der keltischen Schätze, die in Baden-Württemberg gefunden wurden, können Sie schon jetzt in der LEO BW 3D-Galerie bewundern. Bereitgestellt wurden die 3D-Modelle vom Landesamt für Denkmalpflege. (JH)

Der Trompeter von Säckingen

Der Trompeter von Säckingen
Bad Säckingen: Denkmal des Trompeters von Säckingen und Trompetenspieler. Foto von Willy Pragher. [Quelle: Staatsarchiv Freiburg]

Bis zum Ersten Weltkrieg gehörte Joseph Victor von Scheffels „Trompeter von Säckingen" zu den meistgelesenen und meistgekauften Büchern. Den Stoff für das erfolgreiche Versepos fand Scheffel kurz nach einem Jurastudium als Rechtspraktikant im Bezirksamt Säckingen. Während dieser Zeit erkundete er auf Wanderungen ausgiebig die Geschichte und Landschaft rund um Säckingen und stieß auf die romantische Liebesgeschichte eines ortsansässigen Paares: Die Adlige Maria Ursula von Schönau hatte sich trotz des Standesgegensatzes und gegen den Widerstand ihrer Brüder mit dem Bürger Franz Werner Kirchhofer vermählt. Der oft bemühte Topos von Liebe und Standesgrenzen schien auch im 19. Jahrhundert durchaus noch reizvoll und das Versepos, das Scheffel aus diesem Stoff erarbeitete, wurde schnell zu einem Bestseller. Im Jahr 1914 erschien die 300. Auflage von Scheffels Versepos.  Mit der historischen Vorlage ging Scheffel recht frei um: In Scheffels Versepos war Kirchhofer ein gescheiterter Jurastudent und Künstler auf seiner Trompete, der von Heidelberg nach Säckingen zieht. Tatsächlich aber entstammte Werner Kirchhofer einer angesehenen und wohlhabenden Familie. Dass der Papst in Rom Kirchhof zum Marchese Camposanto ernennt, entspricht ebenfalls nicht der historischen Vorlage.  Vor allem die Opern-Vertonung von Scheffels Trompeter trug ganz wesentlich zur Bekanntheit des Werkes bei. Die Oper von Victor Ernst Nessler (1841 – 1890), die 1884 uraufgeführt wurde, gehörte zu den beliebtesten Opern in Deutschland. Am populärsten war das „Trompeterlied“, das „Behüt dich Gott“ aus dem zweiten Akt dieser Oper.
Im Bad Säckinger Schloss Schönau (Trompeterschloss) wird an Scheffel und sein Werk erinnert. Im sogenannten Scheffelzimmer findet man verschiedene Ausgaben seiner Bücher, darunter die seltene Erstausgabe des „Trompeters von Säckingen“ von 1854. Scheffels Aufenthalt und Tätigkeit als Jurist in Säckingen dokumentieren amtliche Dokumente aus der Zeit 1850 – 1851. Das Trompetenmuseum, das auch im Schloss untergebracht ist, zeigt eine Sammlung von mehr als hundert Instrumenten sowie Bilddokumente und Schriften. Darunter findet man Wissenswertes über den Komponisten Victor Ernst Nessler und seine Oper zum „Trompeter von Säckingen“.  (JH)

Die Grube Frischglück bei Neuenbürg

Blick auf Neuenbürg
Neuenbürg in der Oberamtsbeschreibung von 1860 [Quelle: Landesarchiv BW]
Im Raum um Neuenbürg konzentrieren sich an tektonischen Störungszonen Erzgänge mit reichen Eisen- und Manganerzvorkommen. Es handelt sich um das größte Eisenerzvorkommen im Schwarzwald. Schon in keltischer Zeit wurde bei Neuenbürg nach Erz gegraben und Eisen geschmolzen. Die Kelten errichteten sogar eine befestigte Höhensiedlung auf dem Schlossberg bei Neuenbürg. Dort wurden umfangreiche Schlackereste und Eisengeräte gefunden, die aus dem Eisenerz hergestellt worden waren. Seine Blütezeit erreichte der Bergbau im Neuenbürger Revier aber erst im 18. und 19. Jahrhundert. Das gewonnene Erz war aufgrund der geringen Schwefel-Beimengung und der Kupfer-Armut ideal für die Produktion von Gusseisen und wurde zu dieser Zeit im Königlichen Hüttenwerk in Friedrichstal verarbeitet. Die Ausbeute der Grube war groß und zwischen 1770 und 1843 wurden über 2625 Tonnen Eisenerz gewonnen. Im frühen 19. Jahrhundert wurden schließlich erste Versuche zur Stahl-Erzeugung aus dem Erz der Grube Frischglück unternommen, die auf Initiative von Friedrich II. von Württemberg zurückgingen. Die Arbeitsbedingungen der Bergleute waren äußerst hart, vor allem nachdem ab 1851 Gedinge-Arbeit eingeführt wurde, das heißt die Arbeitsgruppen wurden nur nach erbrachter Leistung wie etwa der Anzahl der geförderten Wagen bezahlt. Ab 1866 kam der Bergbau zum Erliegen, die Vorräte waren erschöpft und die Nachfrage sank, zumal die Beschaffenheit und vor allem die Festigkeit des Gesteins enorme Kosten verursachte. Seit 1985 steht das Bergwerk als Denkmal der alten Arbeitswelt unter Tage Besuchern offen, die hier mehr über die harten Arbeitsbedingungen und die damaligen Abbautechniken lernen können. Weitere Informationen über das ehemalige Bergwerk finden Sie auf der Seite der Grube Frischglück. Mehr über die Techniken der keltische Eisenherstellung in Neuenbürg erfahren Sie in der Broschüre des Landesamts für Denkmalpflege BW. Einen Gesamtüberblick über die Gewinnung von Bodenrohstoffen im Schwarzwald bietet der Historische Atlas Baden Württemberg sowie die dazugehörigen Erläuterungen. (JH)

Zur Geschichte der Postkarte

Postkartenautomat
Postkartenautomat [Quelle: Heimatmuseum Reutlingen]

Über 150 Jahre gibt es die Postkarte nun schon. Doch bereits vor ihrer offiziellen Einführung wurden in Paris einfache Karten ohne Umschlag zum Versand von Mitteilungen verwendet. Die dortige „Petite Poste“ erlaubte bereits in den 1770er Jahren den Versand von Karten mit offen lesbaren Mitteilungen. Tatsächlich eingeführt wurde die sogenannte „Correspondenz-Karte“ dann zum 1. Oktober 1869 in Österreich. Die Postverwaltung des Norddeutschen Bundes folgte auf dem Fuße und führte ihrerseits die Korrespondenzkarte zum 1. Juli 1870 ein. Auch die weiteren Länder des Deutschen Reiches, Großbritannien, Frankreich und viele weitere Staaten führten in der Folge Postkarten ein. Bereits zum 1. Juli 1872 wurde die amtliche Bezeichnung „Correspondenz-Karte“ durch die heute geläufige Bezeichnung „Postkarte“ abgelöst. Bereits kurz nach ihrer Einführung entwickelte sich die Postkarte zu einem Massenmedium. Im internationalen Postverkehr konnte die Postkarte mit Abschluss des Berner Postvertrages seit dem 1. Juli 1875 in 21 Ländern versendet werden. Zuvor waren Postkarten lediglich für Mitteilungen innerhalb eines Landes oder zwischen Ländern mit entsprechender Vereinbarung zugelassen. Mit dem Weltpostvertrag vom 1. Juni 1878 wurden schließlich der Versand an und der Empfang aus nahezu allen Ländern der Erde möglich. Nachdem Postkarten zunächst nur durch die jeweiligen Postverwaltungen herausgegeben werden durften, war es ab 1885 erlaubt, kommerziell verlegte Postkarten zu verwenden. Schon bald fanden sich verschiedenste grafische Elemente auf der Mitteilungsseite der Postkarten. Waren diese zunächst in der Regel vom Absender selbst gestaltet, entstanden bald auch Karten mit vorgedruckten Grafiken – die sogenannten Ansichtskarten. Sie setzten sich ab circa 1896 durch, denn gerade in diesen Jahren wurde eine Reihe von Druckverfahren entwickelt, die es ermöglichten, Ansichtskarten kostengünstig herzustellen. Zu ihnen zählte auch das Lichtdruckverfahren, mit dem sich Fotografien auf Postkartenträgern abdrucken ließen. Mit dem zunehmenden Versand von Postkarten erfreuten sich auch die seit Mitte der 1880er-Jahre erstmals an englischen Bahnhöfen aufgestellten Postkartenautomaten großer Beliebtheit. Heute sind die Automaten aus dem öffentlichen Raum nahezu verschwunden. Der hier abgebildete Automat stammt aus der Sammlung des Heimatmuseums Reutlingen. Die Motive der beiden Postkarten stellen eine Betzinger Trachtenhochzeit um 1850 dar und wurden 1965 vom Verlag Siegbert Jaschek, Reutlingen herausgegeben. Mehr zur Geschichte der Postkarte können Sie im Themenmodul Südwestdeutsche Archivalienkunde nachlesen. (JH)

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